Bővebb ismertető
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hr hättet ihn sehen können auf den Straßen irgendeines kleinen chinesischen Dorfes oder Marktfleckens - einen hochgewachsenen, schlanken, ein wenig vorgeneigten Amerikaner. Einmal im Leben trug er chinesische Tracht. Ich habe ein Bild, das ihn so darstellt: Da sitzt er auf einem steifen, geschnitzten chinesischen Stuhl und hat seine großen amerikanischen Füße in ungeheuren chinesischen Schuhen vor sich hingepflanzt, in den Schuhen, die die Chinesinnen, als sie die Sohlen zuschnitten, bewogen, hinter vorgehaltener Hand zu lachen, und manchen Vorübergehenden, stehenzubleiben und ihm nachzustarren, wie er da durch den Staub oder über das holperige Pflaster dahinschritt. Er lächelte sogar über sich selbst, freiHch ein wenig verlegen, wenn ihm ganz unverhohlen Scherzworte nachgerufen wurden. Doch die chinesischen Schuhe, das lange chinesische Gewand, der kleine, runde, schwarze chinesische Hut mit dem roten Knopf - nichts von all dem machte ihn auch nur ein wenig zum Chinesen. Niemand hätte ihn irrtümlich für einen solchen halten können. Die hagere, derbknochige Gestalt, die großen, schmalen, zarten Hände, der edelgeformte Kopf mit den breiten Zügen, die große Nase, die vorstehende Unterlippe, die außerordendich
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durchscheinenden blauen Kinderaugen, die rödich helle Haut und das ein wenig gewellte dunkle Haar -das war durch und durch amerikanisch, schlicht amerikanisch.
Doch wanderte er mehr denn ein halbes Jahrhundert durch China. In jungen Jahren zog er dorthin, und als er starb, ein alter Mann, war sein Haar schneeweiß, sein Auge aber noch immer kinderblau. In diesen Tagen seines hohen Alters sagte ich zu ihm: »Du solltest uns dein Leben niederschreiben.« Denn er hatte das Land bereist von Nord nach Süd, von Ost nach West und kannte Stadt und Land. Die Abenteuer, die er erlebte, konnten Bände füllen, und oft und oft war er in Lebensgefahr gewesen. Er sah das cfiinesische Volk, wie wenige Weiße es je gesehen haben - in den geheimsten Augenblicken des täglichen Lebens, im Heim, bei Hochzeitsfesten, bei Krankheit und im Tod. Er sah es als Nation im Kreislauf seiner Zeiten - er sah die Herrschaft der Kaiser und den Sturz des Reiches, er sah die Revolution, die Errichtung einer Republik und neuerliche Revolution. So schrieb er die Geschichte seines Lebens nieder, wie es ihm sich zeigte, als er siebzig Jahre alt war. Einen ganzen Sommer wandte er seine freie Zeit daran, dieses Werk zu schreiben. In heißen Nachmittagsstunden, wenn jedermann sonst schlief, hörte ich das unsichere Klopfen seiner alten Schreibmaschine, oder in der frühen Morgendämmerung, denn da er als Knabe auf einer Farm in Westvirginia zeitig hatte aufstehen müssen, hatte er das lange Schlafen verlernt. Es war für ihn mehr als eine körperliche Unmöglichkeit - das hatte seelische Gründe.
rj