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14. 10.
Ostbahnhof, Bahnsteig A, Nord-Süd-Exprefí, 23,45 — dieser náchtliche Bahnhof wirkt wie immer so überaus traulich: die Nacht ist schwarz und die Lichter sind mild, der Himmel wölbt sich eisern über festem Grund, und Tauben schlafen in seinen sicheren Nestern. Wölkchen ziehen milchweifí und prall, gezáhmte Drachen schnauben in ihren Sielen, und was sonst Wolf und Schaf ist, Löwe und Lamm, Pardeltier und Gazelle, liegt ganz ohne Arg und Furcht einander im Arm und wünscht sich gegen-seitig von Herzen das Beste. Gott ist nah und erreichbar, seine Ordnung verstándlich, der Erzengel trágt eine rote Mütze, der Schutzengel eine rote Schárpe, die Schlange hat hier keinen Zutritt, und noch der Verrufíte leistet nützliche Arbeit. O wackre heile Welt
Man sollte vielleicht noch Palmen einbaun
Nationalcharaktere im Abschiednehmen: Ich glaube, der Deutsche fühlt sich geláutert
Zwangsvorstellung: Das Coupé mit jemandem teilen müssen, der gerade seine Doktorarbeit über das Thema „Das epische Theater und der Dramatiker Bertolt Brecht" vollendet hat.
Aufatmen: das andre Bett ist hochgeklappt
Nebenan im oflfnen Abteil zwei Generále mit offenen Krágen. Einer liest Zeitung - das ist ein ganz merkwürdiger Anblick. Ein Buch wáre denkbar und hátte auch Tradition. Eine Zeitung verfremdet. Warum? (Ich glaube, ich wei6 es
und natürlich prompt die Erinnerung: der General im Láger im Kaschakessel. Er war, mit dem Auskratzen an der Reihe, kopfüber dermaíten hineingekrochen, dafí man -und dies vor dem leeren, fahlgrauen Horizont - nur seine Beine mit den Biesen herausragen sah; ich hielt Generále danach nicht mehr für Götter