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Zwanzig Briefe an einen Freund [antikvár]

Swetlana Allilujewa

 
UBER DIESES BUCH Swetlana Allilujewa, die einzige Tochter Josef Stalins, ging 1966 in den Westen. Hier veröffentlichte sie ihre Memoiren — als Dokument eines Lebens im Schatten des übermächtigen Diktators. Sie weiß manches über die Männer, die ihrem Vater nahestanden oder mit ihm zusammenarbeiteten — wie der Chef des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes, Berija, über den sie ein vernichtendes Urteil fällt. Wichtiger aber ist der Blick, den ihre Aufzeichnungen in das Innere des Kreml öffnen; also der private Bereich, die...
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UBER DIESES BUCH Swetlana Allilujewa, die einzige Tochter Josef Stalins, ging 1966 in den Westen. Hier veröffentlichte sie ihre Memoiren — als Dokument eines Lebens im Schatten des übermächtigen Diktators. Sie weiß manches über die Männer, die ihrem Vater nahestanden oder mit ihm zusammenarbeiteten — wie der Chef des sowjetischen Staatssicherheitsdienstes, Berija, über den sie ein vernichtendes Urteil fällt. Wichtiger aber ist der Blick, den ihre Aufzeichnungen in das Innere des Kreml öffnen; also der private Bereich, die Persönlichkeit Stalins, Kindheit und Familienleben einer Frau, die das Opfer eines politischen Systems wurde, dem sie beziehungslos gegenüberstand. Swetlana Allilujewa hatte ihre >Zwanzig Briefe an einen Freund< im August 1963 niedergeschrieben. Mit der Hilfe ihres Mannes (eines Inders) und ihrer indischen Freunde wurde das Manuskript über die russische Grenze geschmuggelt. Als ihr Mann 1966 starb, durfte sie zu seiner Beerdigung nach Indien reisen. Sie entschloß sich, nicht wieder nach Rußland zurückzukehren. Über Rom und die Schweiz ging sie in die Vereinigten Staaten, wo sie heute lebt. Ihr Buch hat inzwischen internationales Aufsehen erregt. Diese Briefe wurden im Sommer 1963 in dem Dorfe Shukowka unweit von Moskau in fünfunddreißig Tagen zu Papier gebracht. Die freie Form des Briefes erlaubt es mir, vollkommen aufrichtig zu sein, und ich betrachte das, was ich hier niedergeschrieben habe, als eine Beichte. Damals konnte ich es mir überhaupt nicht vorstellen, daß es je möglich sein würde, dieses Buch zu veröffentlichen. Heute, da sich diese Möglichkeit ergeben hat, möchte ich, obwohl seitdem vier Jahre verflossen sind und ich fern von Rußland bin, doch nichts mehr ändern oder hinzufügen außer den unumgänglichen Verbesserungen, die sich bei der Vorbereitung des Manuskriptes für den Druck ergaben, sowie den Korrekturen und Fußnoten. Das Buch ist so geblieben, wie es meine Freunde seinerzeit in Moskau gelesen haben. Und ich wünsche mir jetzt nur das eine: Jeder, der diese Briefe liest, soll sie so aufnehmen, als ob sie an ihn persönlich gerichtet wären. Mai 1967, Locust Valley Swetlana Allilujewn i6. Juli 1963 Wie still ist es hier. Kaum dreißig Kilometer entfernt ist Moskau, ein feuerspeiender menschlicher Vulkan, glühende Lava der Leidenschaften, des Ehrgeizes, der Politik, der Vergnügungen, der Begegnungen, des Kummers, der hastigen Betriebsamkeit Weltkongreß der Frauen, Internationales Kinofestival, Verhandlungen mit China, Neuigkeiten, Neuigkeiten aus der ganzen Welt, morgens, mittags, abends . . . Die Ungarn sind angekommen, durch die Straßen schlendern Filmleute aus aller Herren Ländern, Negerinnen suchen Reiseandenken im GUM* . . . Der Rote Platz, wann immer auch man dorthin kommt, überfüllt von Menschen aller Hautfarben, und jeder von ihnen hat sein unwiederholbares Schicksal, seinen Charakter, seine Seele mit sich gebracht. Moskau wimmelt, brodelt, keucht und dürstet unaufhörlich nach Neuem: nach Ereignissen, Meldungen, Sensationen, und jeder will als erster die letzten Neuigkeiten erfahren, — jedermann in Moskau. Das ist der Rhythmus des modernen Lebens. Doch hier ist es still. Die Abendsonne vergoldet den Wald, das Gras. Dieser Wald ist eine kleine Oase zwischen Odinzowo, Barwicha und Ro-maschkowo — eine Oase, wo man keine Landhäuser mehr baut, keine Straßen verlegt; dafür pflegt man den Wald, mäht das Gras auf den Waldwiesen ab und schlägt die dürren Bäume. Hier gehen die Moskauer spazieren. »Die beste Erholung in der Freizeit«, so versichern Rundfunk und Fernsehen, sei eine Wanderung mit dem Rucksack auf dem Rücken und einem Stock in der Hand von der Station Odinzowo bis zur Station Ussowo oder bis Ilinskoje, durch unseren gesegneten Wald, durch die wunderbaren Lichtungen, durch kleine Schluchten, Waldwiesen, Birkenhaine. Drei bis vier Stunden wandert der Moskauer gemächlich dahin, atmet Sauerstoff und fühlt sich wie neugeboren, gekräftigt, wiedergenesen, hat sich von allen seinen Sorgen erholt — und strebt wieder zurück in das wimmelnde * Abkürzung für »Gosudarstwennyj Uniwersalnyj Magasin«, »Staatliches Universal-Gcsdiäft«, das Moskauer Großkaufhaus am Roten Platz. (Anmerkung des Ubersetzers.)

Termékadatok

Cím: Zwanzig Briefe an einen Freund [antikvár]
Szerző: Swetlana Allilujewa
Kiadó: Fischer Bücherei
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 110 mm x 180 mm
Swetlana Allilujewa művei
Bolti készlet  
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