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Wir sind noch einmal davongekommenIch stehe auf dem Pont des Arts in Paris. Auf der einen Seite der Seine sehe ich die harmonische, ausgewogene Fassade des Institut de France, das um 1670 als Sitz der französischen Akademie erbaut wurde, auf der anderen Seite liegt der Louvre, an dem vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein ständig gebaut wurde: klassische Architektur in ihrer höchsten und reinsten Form. Stromaufwärts kann ich gerade noch Notre-Dame sehen - vielleicht nicht die hinreißendste Kathedrale, doch mit der intellektuellsten Fassade der gesamten Gotik. Die Häuser beiderseits des Flusses sind ebenfalls menschliche und vernünftige Beispiele der Stadtarchitektur, und vor ihnen stehen unter Bäumen die offenen Buchstände, an denen Generationen von Studenten ihre geistige Nahrung gefunden haben und wo Generationen von Bücherfreunden der zivilisierten Beschäftigung des Büchersammelns frönten. Über diese Brücke strömten während der letzten hundertfünfzig Jahre die Schüler der Kunstschulen von Paris in den Louvre, studierten seine Kunstschätze, eilten dann zurück in ihre Ateliers und redeten und träumten dort von Taten, die der großen Tradition würdig wären. Und wie viele Pilger aus Amerika haben seit Henry James auf dieser Brücke irmegehalten, das Aroma einer seit langem begründeten Kultur eingeatmet und sich im Mittelpunkt der Zivilisation gefühlt!Was ist Zivilisation? Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht in abstrakten Begriffen erklären - noch nicht. Aber ich glaube Zivilisation zu erkennen, wenn ich sie sehe; und hier sehe ich sie. Ruskin sagte einmal: Große Nationen schreiben ihre Autobiographien in drei Büchern, dem Buch ihrer Taten, dem Buch ihrer Worte und dem Buch ihrer Kunst. Keines dieser Bücher können wir verstehen, ohne die beiden anderen zu lesen, aber das einzig glaubwürdige ist das letzte. Im großen und ganzen ist das wohl wahr. Schriftsteller und Politiker können ihre Ansichten in den verschiedensten Äußerungen darlegen, doch das sind immer nur Zweckerklärungen. Gefragt, was mehr über den wahren Zustand einer Gesellschaft aussagt, die Rede eines Wohnungsbauministers oder die Bauten seiner Zeit, würde ich mich für die Bauten entscheiden.Das heißt aber nicht, daß die Geschichte der Zivilisation die Geschichte der Kunst wäre. Durchaus nicht. Große Kunstwerke können auch in barbarischen Gesellschaften entstehen, und gerade die Beschränktheit einer primitiven Gesellschaft kann ihrer ornamentalen Kunst eine besondere Konzentration und Belebung verleihen. Im 9. Jahrhundert hätten wir manchmal die Seine hinabschauen und dort den Bug eines stromaufwärts fahrenden Wikingerschiffes sehen können. Wenn wir es heute im Britischen Museum [i] betrachten, erscheint es uns als machtvolles Kunstwerk. Aber für die Mutter einer Familie, die in ihrer klei-I Bug eines WikingerschiffesI}