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Wörterbuch der Literaturwissenschaft [antikvár]

Claus Träger

 
Vorwort Der vorliegende Versuch ist der erste seiner Art in deutscher Sprache: der eines Wörterbuchs der Literaturwissenschaft, eines Lexikons der literaturwissenschafttichen Begriffe auf der Grundlage des historischen Materialismus und der materialistischen Dialektik. Da marxistische Wissenschaft jedoch nicht ohne das von der Menschheit angeháufte Wissen" denkbar und es irrig ist zu glauben, diese Wissenschaft ware anzueignen, ohne ... jene Summe von Kenntnissen anzueignen, deren Ergebnis" sie gerade darstellt (vgl. Lenin, Die Aufgaben der...
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Vorwort Der vorliegende Versuch ist der erste seiner Art in deutscher Sprache: der eines Wörterbuchs der Literaturwissenschaft, eines Lexikons der literaturwissenschafttichen Begriffe auf der Grundlage des historischen Materialismus und der materialistischen Dialektik. Da marxistische Wissenschaft jedoch nicht ohne das von der Menschheit angeháufte Wissen" denkbar und es irrig ist zu glauben, diese Wissenschaft ware anzueignen, ohne ... jene Summe von Kenntnissen anzueignen, deren Ergebnis" sie gerade darstellt (vgl. Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbánde, 1920) ist - vor allém im Angesicht des unausgesetzten und gewaltigen Wissenswachstums in unserem Jahrhundert - die Frage müBig, wo in jedem einzelnen Falle das Bisherige endet und seine marxistische Auffassung beginnt. Die Differenz ergibt sich letzthin erst aus der veránderten Fassung des Gegenstands, der Literatur, als eines Ganzén und seiner Einordnung in eine geschichtliche Konzeption von der Gesellschaft, in welcher der Literatur selbst eine geschichtliche Funktion zugesprochen ist, die sie zwar von je gehabt hat (und ohne die sie gar nicht existierte), deren sie sich aber eigentlich nicht bewuBt sein sollte oder auch konnte: Dieses BewuBtsein jedenfalls hátte sie des schönen Scheins einer ornativen Freiheit beraubt, mit der sie allemal auch gegen ihren Willen willfahrig zu machen war. Die Geschichte der Literatur ist am Ende der mehrtausendjáhrige und in hundert oder mehr Sprachen geführt Streit um jene Frage. Was die Wissenschaft von diesem Gegenstand angeht, so kann hier nichts anderes gelten, als was für alle marxistische Wissenschaft gilt: Die Fortführung des Werks von Hegel und Marx muB in der dialektischen Bearbeitung der Geschichte des menschlichen Denkens, der Wissenschaft und der Technik bestehen" (Lenin, Konspekt zu Hegels Wissenschaft der Logik, 1914). Dies ist die Aufgabe, aus der auch ein Lexikon sich nicht entlassen kann. Doch eben damit beginnt das Problem: Wie kann eine wissenschaftliche Weltauffassung, für die im Grundé nur eine einzige Wissenschaft, die Wissenschaft der Geschichte" existiert und für die auch die Ideologie ... nur eine der Seiten dieser Geschichte" ist (Marx/Engels, Die deutsche Ideologie, 1845/46), sich ihres Auftrags unter der Form eines Wörterbuchs entledigen? Der Zweck solcher Unternehmung, immerhin auf eine zwei- bis dreihundertjáhrige Tradition zurückblickend, liegt langst fest: die Ordnung spezifischen Wissens und seine Verfügbarkeit. Doch ist dabei die Schwierigkeit eines Lexikons über Literatur die eines jeden Lexikons über geschichtlich-gesellschaftUche, alsó gesellschaftswissenschaftliche Gegenstánde: Es muB den historischen - d. h. in sich als ein Ganzes zusammenhángenden, mit den verschiedensten Gebieten der sozialen Wirklichkeit und des geistigen Lebens verwobenen, dauernd sich verándernden und veranderlich auffaBbaren - Stoff in einer systematisierenden Vereinzelung bieten. Auch ein Literaturlexikon, das möglichst gesichertes Wissen einschlieBlich seiner fortschreitend differenzierten wissenschaftlichen Aneignungsformen darzubieten hat, enthebt den Benutzer weder des Studiums der so vermittelten Objekte selbst noch kann es deren wesentliche Eigenart, geschichtlich-funktional zu sein, in lebendiger Anschaulichkeit mitliefern: Nicht die Geschichte der Literatur ersetzend, gestattet es nichtsdestoweniger Information und Orientierung in der sonst unüberschaubaren Füllé des Materials sowie Hinführung zu dessen sachgerechter Rezeption. Den tief gegründeten Hader jeder streng geschichtlichen Literatur- und Kunstauffassung mit der Idee des Lexikons hat bereits zu dem Zeitpunkt, da dieses Problem überhaupt erst in die Welt trat, der junge Herder, 1773 J. G. Sulzers Allgemeine Theorie der schönen Künste (1771/74) rezensierend, treffend formuliert: Nicht bloB daB viele Artikel, die konkrété Eigenschaften und Arién des Schönen betreffen, ganz alléin auf Geschichte beruhen, daher entstanden sind, sich mit Zeit und Umstánden abge&ndert usw. ...: sondern alle Artikel eines Hauptworts, eines ganzen Genus - selbst ihr Theorienbegr\ff bleibt ohne Geschichte immer schwankend. Warum? Nirgend oder selten sind hier durch sich bestimmte oder gar willkürlich gegebene Ideen, wie in Mathematik oder der allgemeinsten Physik, sondern aus vielerlei Concretis erwachsene, in vielen Gattungen und Erscheinungen vorkommende Be-

Termékadatok

Cím: Wörterbuch der Literaturwissenschaft [antikvár]
Szerző: Claus Träger
Kiadó: VEB Bibliographisches Institut
Kötés: Vászon
ISBN: 3323000153
Méret: 170 mm x 240 mm
Claus Träger művei
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