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Flucht aus dem Wehrturm ~
Die Burg Giebichenstein spiegelte sich in der Saale. |
Keine Welle zerriß die blanke Oberfläche des Wassers. f
Im Sommer vor 900 Jahren saß hoch im Wehrturm ein ^^
Gefangener. Sechs Wächter durften Ihn Tag und Nacht p nicht aus den Augen lassen. Lange Zeit konnte Graf Ludwig den kaiserlichen Häschern immer wieder entgehen. Im Magdeburgischen dann überwältigten sie ihn. Nun wartete er auf das kaiserliche Urteil, und er wußte genau, daß keine Gnade zu erwarten war. Zu schwer wog der ihm zur Last gelegte Mord an dem Pfalzgrafen Friedrich zu Sachsen. Es entsprach der Wahrheit, daß Ludwig den Pfalzgrafen mit der Lanze tötete und vom Rosse stieß. Wie von Sinnen hatte ihn vorher Friedrich des Ehebruchs mit seinem Weib bezichtigt, einen Gauch und einen ehrlosen Wicht genannt und mit erhobenem Schwert Genugtuung gefordert. Ein Jahr später feierte Graf Ludwig dann mit der schönen Witwe Adelheid fröhliche Hochzeit auf seiner Schauenburg. Im Wehrturm hatte er sich Tag und Nacht den Kopf zermartert, wie man aus den festen Mauern der Burg Giebichenstein entfliehen könne. Als aussichtslos und undurchführbar mußte jeder Plan verworfen werden. Bis ihm dann die rettende Idee kam. Immer wieder überprüfte er alle Einzelheiten, ehe er sich zum äußersten Wagnis entschloß. Seit Tagen stellte der Grafsich krank. Immer besser spielte er die Rolle, so daß die Wächter seine Sterbestunde bald kommen sahen. Es war schon ein Schreiber wegen des Testamentes gerufen worden. Heimlich konnte Graf Ludwig bei dieser