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MARCO POLO
Aiii ihre zweite Reise nahmen die Brüder Polo den jungen Marco mit, Niccolos Sohn. Damit begann Marco Polos Leben als Entdecker.
DIE EUROPAER des Mittelalters hatten von unserer Erde nur eine begrenzte Vorstellung. Im Norden ging für sie die Welt in Nadit und Eis zu Ende, im Süden wurde es immer heißer, bis es kein Mensch mehr aushalten konnte, im Westen war das Meer und weiter anscheinend nichts. Nur über den Osten war man ein wenig besser unterrichtet. Im Heiligen Land waren sdion viele Pilger und Kreuzfahrer gewesen. Von Indien wußte man, daß dorthin der große Alexander gezogen war. Noch weiter weg gab es Länder und Inseln, von wo Seide und Gewürze kamen. Es waren vor allem venezianische Kaufleute, die damit Handel trieben. Auf der Suche nach weiteren Handelsbeziehungen im Osten waren die Venezianer Matteo und Niccolo Polo im Jahr 1260 von Konstantinopel aus nach Südrußland gekommen und damit in das Reich der Mongolen, über das damals Kubilai Chan herrschte, der Enkel des berühmten und gefürchteten Tschingis Chan. Neugierde, Abenteuerlust und Zufälle führten die beiden Kaufleute immer weiter nach Osten, bis sie schließlich nach Karakorum an den Hof Kubilais gelangten. Der Mongolenherrscher, eben im Begriff, ganz China zu unterwerfen, nahm sie freundlich auf. Er suchte gerade nadi einer Staatsreligion für sein riesiges Reich. Vielleicht war dafür das Christentum geeignet? Er fragte die beiden Venezianer gründlidi aus und gab ihnen dann auf die Rückreise eine Botschaft an den Papst mit: Er bat um hundert Möndie, die sein Volk im Christentum unterweisen sollten.
Im Jahr 1269 trafen die Polos wieder in Venedig ein. Zu dieser Zeit aber gab es keinen Papst, weil der bisherige vor einem Jahr gestorben war und die Kardinäle erst 1272 wieder einen neuen wählten. Dieser gab den Brüdern statt hundert nur zwei Missio-
nare iflit, die aber die Strapazen der Reise nicnt ertrugen und wieder umkehren mußten.
Niccolo Polo hatte diesmal seinen siebzehnjährigen Sohn Marco mitgenommen. Um kriegerischen Unruhen auszuweichen, wählte man einen südlicheren Weg, über Persien. In Balch hielt eine Krankheit Marcos die Reisenden ein ganzes Jahr lang fest. Doch hier legte Marco den Grund zu seiner eingehenden Kenntnis mongolischer Sprachen.
Inzwisdien war Kubilai Chan endgültig Herrscher von ganz China geworden und hatte als Hauptstadt Cambaluc (das heutige Peking) gewählt. Die Venezianer waren wiederum willkommen, und der Kaiser nahm den jungen Marco in seine Dienste. Als diplomatischer Beamter hat Marco Polo siebzehn Jahre lang viele Teile des mongolisch-chinesischen Riesenreiches kennengelernt. Schließlich aber wollten die Venezianer doch wieder in ihre Heimat zurück. Als Führer und Begleiter einer Prinzessin aus dem Kaiserhaus, die den Herrscher Persiens heiraten sollte, gelangten sie auf dem Seeweg nach Persien. 1295 trafen sie wieder in Venedig ein. Sie brachten Reichtümer an Gold, Edelsteinen, Perlen und Stoffen mit.
Marco Polo lebte in seiner Vaterstadt als angesehener Bürger noch bis 1324. 1298 war er während eines Krieges zwischen Venedig und Genua für ein Jahr in genuesische Gefangenschaft geraten. In dieser Zeit diktierte er einem Mitgefangenen eine »Beschreibung der Welt«, wie er sie kennengelernt hatte. Daraus wurde ein Buch mit 500 Drudeseiten, eine großartige und getreue Schilderung fremder Länder und Völker, damals eine gewaltige Erweiterung des Wissens von der Welt.