Bővebb ismertető
WIEN
Als ich das erste Mal — sofort nach meiner Ankunft am Bahnhof —
vom Park des Belvedere Wien gesehen hatte, schien es mir, dass ich
mit einem einzigen Blick das unerwartete Panorama erfassen, den Cha-
rakter der Stadt begreifen könnte.
Zunächst fand ich mich am meisten angezogen von dem Reichtum an
Gärten, die nicht nur an vielen Stellen das Zentrum mit tausenden blü-
henden Beeten umgeben, sondern mit ihren Bäumen und Rasenflächen
von den Ufern der Donau als grüne Inseln immer wieder den Stein und
Beton der Bauwerke auflockern, bis sie eins werden mit jenen Hügeln,
die Wien umschliessen und zugleich krönen. Dann entdeckt man mit
immer neuem Interesse die grosse Vielfalt an Kunstwerken, Denkmä-
lern und Monumenten, mit der Wien als europäische Metropole auch
nach aussen hin Glanz und Repräsentation eines riesigen Reiches wi-
derspiegelte.
Zusammen mit den Klängen der Musik, die einen festen Bestandteil
des inneren Wesens der Stadt bilden, spürt man die Höflichkeit ihrer
Menschen. Es ist wie eine verborgene Schönheit, die nie völlig hervor-
tritt, und das letzte Stück der Offenbarung der eigenen Vorstellung, der
eigenen Phantasie überlässt.
Das Monumentale im Stadtbild, so wie es sich uns heute darbietet, ist
vor allem ein Werk der Habsburger, die aus der einstigen Herzogstadt
das Zentrum des mächtigen Kaiserreiches schufen und sie damit zu
einer der prunkvollsten Hauptstädte machten.
Wien wird man erst ganz verstehen und erkennen, wenn man seine Ge-
schichte und sein Schicksal durch den Verlauf der Jahrhunderte über-
blickt. Die Stadt reicht mit ihren historischen Grundfesten weit zurück,
und im Verlauf von zwei Jahrtausenden musste sie viele innere und äus-
sere Wandlungen erleben oder über sich ergehen lassen.
Vindobona war ein befestigtes Lager zur Verteidigung der Grenze des
Römischen Reiches, die auf lange Strecken mit ihrem Verlauf dem Do-
naustrom folgte. Neben den Legionären, die hier ihre Grenzwache für
das Imperium hielten, beeinflussten die römischen Kaufleute mit ihrem
Handel, der hier einen wichtigen Umschlagplatz besass, auch weite Tei-
le jenseits der Donau. Erst die aus den Weiten Asiens Welle um Welle
anstürmenden, wilden Reitervölker beendeten diese Funktion Vindobo-
nas. Unter Karl d.Gr. erhob sich Wien zu einem entscheidenden Punkt
in der Ostmark. Als Herzogstadt der Babenberger wird die Bedeutung
der Stadt immer grösser, bis Wien schliesslich unter den Habsburgern
1276 zur Kaiserstadt erhoben wird.
Als weite Teile Europas immer besorgter auf die drohende Türkengefahr
blickten, bewährte sich Wien als unbezwingbare Feste an der Einbruchs-
pforte des Abendlandes. Gleichzeitig mit der steigenden Macht des Hau-
ses Habsburg entwickelte sich die kulturelle und geistige Bedeutung
der Stadt, die richtungsweisend für ihre Zukunft bis in die heutige Zeit
werden sollte. Wien wurde zum Treffpunkt der ganzen Vielfalt der Völ-