Bővebb ismertető
Aufdringliches Wetter
Zu den Erscheinungen, denen sich der Mensch nicht entziehen kann, gehört nach dem eigenen Ich das Wetter - eines der aufdringlichsten Dinge, die es gibt! Nicht die extremen Wettererscheinungen, wie Gewitter, Sturm und Hagel, oder außergewöhnliche Wetterlagen, wie Kälte- oder Hitzewellen (die den Menschen in Lebensgefahr bringen können), sind es, die seine Aufdringlichkeit ausmachen. Nein, es ist vor allem die Tatsache, daß wir jeden Morgen unsere Sinnesorgane, wenigstens aber das Temperaturempfinden, nach dem Wetter befragen müssen (so nebenbei, daß es uns meist schon gar nicht mehr bewußt wird), wollen wir nicht riskieren, den ganzen Tag zu frösteln, falls wir zu leichte Kleidung gewählt, oder zu schwitzen, falls wir uns zu warm angezogen haben. Das Wetter ist ein Hauptfaktor unserer Lebenssphäre, unsere Umweltbedingung Nummer eins. Es diktiert die Mode mehr als unsere Modeschöpfer, und wer sich da über sein Diktat hinwegsetzen will, der bezahlt es meist mit irgendeiner Krankheit. Aber nicht nur wer in den Tag hineinlebt, muß sich mit dem Wetter auseinandersetzen, erst recht wird sich der planende Mensch mit ihm beschäftigen müssen, handle es sich nun um einen schlichten Wanderer oder um einen Generalstäbler. Und hier zeigt sich auch erst die ganze Hintergründigkeit des Phänomens Wetter: Es kann einen nämlich in einer Weise ärgern, wie es ansonsten nur unser lieber Mitmensch vermag, und so ist es denn auch schon Gegenstand so manchen Stoßgebets gewesen.
Zu den ältesten Planern in der Menschheitsgeschichte gehört der Bauer. Seit Urzeiten sagen ihm vom Vater auf den Sohn überkommene Regeln, wann dies und das zu pflanzen sei, unter welchen Wettervorzeichen dies oder jenes besonders gut gedeiht und wie und warum die Saat verderben könnte. So war der Bauer seit eh und je zu sorgfältiger Wetterbeobachtung gezwungen. Einen Berufsstand, der an geschichtlicher Bedeutung den Bauern kaum nachsteht, stellen die Seeleute. Auch ihnen kann das Wetter der beste Freund sein und sie mit günstigen Winden schnell zu den erhofften Gestaden tragen, es kann ihnen aber auch zum grausamen Feind werden und Schiff und Leben in kürzester Zeit zerstören. Das ist bis heute so gewesen und wird wohl auch immer so sein; nur hat sich der Verkehr vervielfacht und auf andere Bereiche ausgedehnt, und mit ihm ist die Zahl derer gewachsen, die sich in seinem Namen um die Wetterentwicklung kümmern müssen. Das Wetter greift oft entscheidend in den Gang der Geschichte ein: Mancher Sieg, manche Niederlage ist ihm zuzuschreiben. Der Beginn der Regenzeit in tropischen Ländern, der Einbruch des Winters in nördlichen Breiten dürfte schon manche Kampfhandlung zum Segen der
5