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EINFÜHRUNG
Die Deutschen besitzen eine große Anzahl von Autobiographien aus allen Landstrichen, Ständen und Berufen. Darunter nehmen die der Ärzte mit ungefähr 180 Werken einen ansehnlichen Platz ein. Erinnerungen deutscher Männer und Frauen zu lesen, war seit Jahren eines meiner Steckenpferde. Und ich las, getreu der klugen Weisung eines Lehrers meiner Jugend, stets mit dem Bleistift in der Hand, schälte aus dem Inhalt kleine Züge heraus, die mir merkenswert erschienen, ob es sich nun um Anekdotisches, Heiteres, Ernstes, kulturhistorisch Bedeutsames oder längst Vergessenes handelte.
Dieser Liebhaberei entstammt auch das vorliegende Büchlein; denn es wäre doch sträflicher Eigennutz, seinen lieben Mitmenschen das vorzuenthalten, was einem selber Vergnügen und Genuß bereitet hat. Das Buch wird, so hoffe ich, Ärzten nicht unwillkommen sein, denn sie begegnen in diesen Geschichten ihren Kollegen - berühmten Universitätsprofessoren, Chirurgen, Augen- und Irrenärzten - im Hörsaal und auf Kongressen, am Krankenbett wie in der stillen Häuslichkeit, in der großen Gesellschaft wie im Examen. Patienten andererseits - und wer wäre nicht einmal Patient gewesen! - werden nicht ungern hören, daß große Ärzte wie Billroth ängstliche Hypochonder werden können, wenn ihre eigene Gesundheit ins Schwanken kommt; jedermann wird Vorwitzigen die Abfuhr gönnen, welche der alte Heim, Fabricius, Rüdinger schlagfertig erteilen. Köstlich ist die Art, wie der Medizinstudierende Lenau sich im Examen herausbeißt; wie sich Ringseis und Stromeyer, Virchow und Jüngken, Kußmaul und Schmiedeberg in die Haare geraten, wie Nußbaum einen Amerikaner behandelt; prächtige Kathederblüten verdanken wir Blumenbach, dem Freunde Goethes, außerdem Hyrtl, Schönlein, Du Bois-Reymond, Thiersch. Wir sehen, daß die Herren nicht bloß mit Skalpell und Augenspiegel, sondern mit Köni-
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