Bővebb ismertető
ZUM GELEIT
Es ist noch nicht lange her, da rief man bei uns den Tod des Völkerrechts aus und verkündete, es werde nie wieder auferstehen. Wie völlig hat sich seitdem das Bild verändert! Zwar an solchen, die das Völkerrecht tot wünschen, ist kein Mangel, aber die Zahl derer, die es totsagen, hat sich stark vermindert. Das Völkerrecht lebt, es ist lebendiger als je und macht sich allerwärts bemerkbar. Täglich häufiger wird es angerufen, erörtert, ergänzt und befestigt. Gewiß spricht dabei der Zwang mit, die großen politischen Umwälzungen zu erfassen und zu organisieren. Aber der Hauptgrund ist doch, daß eine überstaatliche Rechtsordnung sich immer mehr als notwendig, ja als der einzige Weg zur Rettung erweist.
Es ist stets eine undankbare Aufgabe, einen ganzen Wissenszweig in einem kurzen Abriß von wenigen Seiten darzustellen. Um wie viel mehr ist sie es, wenn sie sich ohne Erörterung tiefster Probleme nicht lösen läßt. Ein solches Hinabsteigen zu den „Müttern" aber ist bei jeder Darstellung des Völkerrechts unvermeidlich. Welche Angriffsflächen für die Kritik! Welche Gefahr für die Reputation des Verfassers! Und doch glaube ich, daß bei der sichtlich steigenden Bedeutung des Völkerrechts auch ein Buch wie das vorliegende, so unvollkommen es notwendig ist, einen gewissen Wert haben kann, indem es zwar weniges, aber vielen etwas bringt. Diesem Zwecke habe ich alles untergeordnet. Ich habe stets das Allgemeine vor dem Besonderen bevorzugt, das Wichtigste etwas ausführiicher, das Wichtige kurz, das weniger Wichtige und das Unwichtige gar nicht behandelt. Möge das Buch, da es das Wissen vom Völkerrecht nicht vertiefen kann, es wenigstens verbreiten!
Bonn, im Juli 1924. Ernst Isay.