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PÉTER HANÁK — UM WAHRHEIT UND VERSTEHEN
Er fesselt in der Darstellung, er analysiert mit Sorgfalt und Schärfe, aber er verfugt dabei auch über jenes Einfühlungsvermögen, das erst den touch des Historikers ausmacht: Péter Hanák, dessen Aufsatzsammlung vor uns liegt.
Ein Rechenschaftsbericht über die letzten Jahrzehnte der Donaumonarchie: am Beginn die Revolution von 1848, gerade in Ungarn ihre Spannung im Wechselspiel von nationalem Ansatz und neu formulierter Freiheit, ihr tragischer Kontrapunkt in Arad, ihre „unheilverkündenden Schatten", die bis „auf das nächste Jahrhundert" fielen; und der Rückblick auf „Schein und Wirklichkeit" des multinationalen Staates, in seinem Nachlaß zv^ei schmerzlich auseinanderklaffende und doch zugleich schmerzlich zusammengehörende Bilder einer Realität, die - wohl im Äußersten - bis zum Galgen, und eines Lebensgefuhls, das bis zur Schwermut führte: die von Karl Kraus beschriebene Hinrichtungsszene und der Akzent „verträumter Nostalgie" im Gefuhlsausdruck der Repräsentanten einer scheidenden Kulturepoche - „Melancholisch hatte Hofmannsthals Generation von einer Welt Abschied genommen, noch bevor sie einstürzte."
Es ist eine Anthologie an sich selbständiger, voneinander unabhängiger Studien, die Péter Hanák vorlegt. Und dennoch werden die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Entwicklungen in der Donaumonarchie darin in ihrem Wandel, in ihrem Fortschreiten, in ihren Zusammenhängen, im Blickwinkel von erfaßten 70 Jahren zentraleuropäischer Geschichte geboten.
Aber im Blickwinkel des Wandels zentraleuropäischer Geschichte kommt uns nicht nur das Studienobjekt näher, sondern auch der Studienverfasser. Er, der 1939 die Mittelschule, der von 1945 bis 1948 die Universität absolviert hat, sollte Geschichte nicht nur aus Urkunden und Büchern erfahren, sondern selbst durchleben, und dies in einer Intensität wie selten eine Generation in ihren jungen Aufbaujahren sie zu durchleben gezwungen war: in Kasernen und Arbeitslagern, in Krieg und Verfolgung, Rettung und Stalin-Zeit. Jahre, durchsetzt mit Bitternis