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Bronja Weierstahl - Ungarn [antikvár]
 
Wie sehen wir, die Fremden, Ungarn und die Ungarn? Bei keinem anderen Land und Volk sind unsere Vorstellungen noch auf weite Strecken so festgefahren. Das sind die romantischen Operettenklischees des Jahrhundertbeginns, die einprägsam auf P Stäben: Puszta — Primas — Paprika, wozu uns Hugo Hartungs liebenswerter Film später noch die Piroschka bescherte. Der Augenschein lehrt uns überdies, daß es das alles noch immer in Ungarn gibt: die weite, kaum berührte Steppe, dank staatlicher Vorsorge in ein Reservat verwandelt, Tokajerwein...
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Wie sehen wir, die Fremden, Ungarn und die Ungarn? Bei keinem anderen Land und Volk sind unsere Vorstellungen noch auf weite Strecken so festgefahren. Das sind die romantischen Operettenklischees des Jahrhundertbeginns, die einprägsam auf P Stäben: Puszta — Primas — Paprika, wozu uns Hugo Hartungs liebenswerter Film später noch die Piroschka bescherte. Der Augenschein lehrt uns überdies, daß es das alles noch immer in Ungarn gibt: die weite, kaum berührte Steppe, dank staatlicher Vorsorge in ein Reservat verwandelt, Tokajerwein und Csárdás beim Spiel der Zigeuner, deren schmucke Uniformen die Geschäftsleitung stellt, auch Paprika überall, als feurige Pünktchen in der Suppe, als lustige Girlanden an den Häusern, doch weniger, als man gemeinhin glaubt, im Blut der Ungarinnen! Diese modernen Piroschkas sind mindestens ebenso hübsch, adrett, charmant und modebewußt wie ihre Operettengroßmamas, aber dazu selbständiger, kritischer, realistischer, lebenstüchtiger. Budapest: nach wie vor eine Stadt der Museen und der heilsamen Bäder, der noblen Cafehäuser und kultivierten Souperlokale, der Gartenschenken unter den Budaer Hügeln. Budapest: unbestritten „Königin der Donau", wenn es sich vom Geliertberg darbietet, so fürstlich wie eh und je im Perlenschmuck lichtbekränzter Kais und Brücken. Bis der Wind nach Südost dreht und rötliche Rauchschwaden vom Schwerindustriekombinat in Csepel herüberwehen. Dann ist der Himmel über der „schönen, blauen Donau" viel weniger blau als an der Ruhr. So beweist uns Budapest, daß es eins der bedeutendsten Industriezentren eines Landes ist, das seine industrielle Produktion auf das Vierfache des Vorkriegsstandes steigern konnte. Trotzdem ist Ungarn noch das Land von „Borstenvieh und Schweinespeck". Mit 6 Millionen stehen die nützlichen Tiere an der Spitze des ungarischen Viehbestandes — Federvieh ausgenommen — und tragen in Form von Salami, Kolbász und Konserven nicht unwesentlich zum steigenden landwirtschaftlichen Export bei. Überhaupt hat Ungarn mit bedeutenden Investitionen seine Agrarproduktion verbessern und steigern können, durch Be- und Entwässerungsanlagen, Bodenmelioration, Kunstdüngung und Mechanisierung. Dabei hat sich das Bild der Landschaft verändert: Wasserkanäle durchziehen schnurgerade riesige Felder, Schutzstreifen aus Akaziengehölz brechen die Winde, weite Gebiete bisher unfruchtbaren Bodens wurden in blühende Apfelgärten und strotzende Aprikosenplantagen verwandelt. Der touristische Zweiklang aller Reiseangebote lautet Budapest — Balaton. In die Tiefebene reisen Reiter und Jäger, und von denen, die nur schnell einmal Pusztaluft schnuppern wollen, kehren viele enttäuscht zurück, weil sie außer monotonen Kukuruzfeldern und verschlafenen, staubigen Städtchen nichts gesehen haben. Sicher ist, daß Westungarn sich dem Reisenden viel leichter öffnet als das verschlossene, abweisende Alföld. Eingebettet in die liebliche Gartenlandschaft Transdanubiens liegt der Plattensee. Selbst auf die Gefahr hin, mir den heiligen Zorn der Ungarn zuzuziehen, die ihr lichtgrünes „Meer" über alles lieben, wage ich zu behaupten, daß es schönere Seen in Europa gibt, doch zugegeben, kaum einen idealeren Badesee Mit fremden Augen

Termékadatok

Cím: Ungarn [antikvár]
Szerző: Bronja Weierstahl
Kiadó: Umschau Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 140 mm x 220 mm
Bronja Weierstahl művei
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