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Patmos, Sommer 1985
Gott der Herr formt diese Felsen jeden Tag neu, verleiht ihnen reine, kräftige Farben. Tiefblau ist der Himmel, tiefblau das Meer, gelb schimmern die Berghänge. Und weiß, rein und leuchtend sind die Kirchen, wie die weißen Gewänder der Apokalypse.
Von vielem erzählen die gelb-braunen Abhänge, auf denen das Gras von der Hitze ausgetrocknet und dürr geworden ist, wo sich die biegsam, fast ohne Wasser auskommenden Bäume fest an das Erdreich klammern. Und wie zart, wie transparent ist in allem die Grenze zwischen dem Leben und dem Tod! Angst einflößend schauen mich die glänzenden und harten Dornen an -sie, die törichten, haben wie die Sonnenblumen van Goghs lange ums Überleben gekämpft. Die Seele der Gräser und der Bäume stöhnt.
Aber in der Höhle der Apokalypse ist die Fülle von allem. Hier möchte man das ganze Leben lang bleiben, möchte den dunklen Stein berühren und wieder und wieder verstehen, warum sich gerade hier Gott in seiner ganzen Kraft und Macht offenbarte. Man möchte sich in das „mit Augen angefüllte" Tier verwandeln, das weder am Tag noch in der Nacht Ruhe kennt und ausruft: „Heilig, Heilig, Heilig ist Gott der Herr, der alles erhält!" (Offenbarung 4,8).
In der dunklen linken Ecke der Höhle sieht man in der Wand die Vertiefung für den Kopf des Apostels, und eine andere Vertiefung ist da für die Hand, damit sich der schon sehr alte Seher halten konnte, wenn er knieend betete (er war schon über 90 Jahre alt, als er nach Patmos gesandt wurde). Darum herum gab es