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TIZIANS GEMÄLDE, ZEICHNUNGEN UND HOLZSCHNITTE
Der Tafelband und der ihn erläuternde Katalog streben nicht nach Vollständigkeit, sondern beschränken sich auf jene Bilder, Zeichnungen und Holzschnitte, die meiner Darstellung Tizians zugrunde liegen. Der Katalog enthält einerseits die Werke, die nach meiner Meinung für unsere Vorstellung des großen Malers und Zeichners wesentlidi sind, anderseits einzelne Arbeiten, deren Ablehnung für Tizian in meinem Buche ausdrücklich begründet ist. Hingegen fehlen mit Absicht viele Werke, die entweder von einer älteren Tradition oder auf Grund neuerer Zuschreibungen Tizian heißen. So interessant viele von ihnen für den kunsthistorischen Fachmann sein mögen, so wenig scheinen sie mir für einen größeren Kreis von Kunstfreunden die Erscheinung des Meisters zu bereichern. Einige sind fortgelassen worden, weil sie nur Wiederholungen und Varianten ohnedies gezeigter Bilder sind; dieses Material neuerdings auszubreiten, ist durch das gerade in diesem Sinn um Vollständigkeit bemühte Buch von Suida überflüssig gemacht, auf dessen Abbildungen ich im Bedarfsfalle hinweise. Andere Bilder sind fortgeblieben, weil ich sie nicht im Original kenne oder doch vor endgültiger Stellungnahme eine neuerliche Überprüfung für nötig erachte. Viele in den allerletzten Jahren gemachte Neuentdeckungen mödite ich sich erst bewähren lassen, ehe ich sie in ein für die allgemeine Vorstellung bestimmtes Bild von Tizians Schaffen aufnehme; die Erfahrung lehrt uns, daß solche neuauftauchende Werke auf ihre Entdecker — und bis zu einem gewissen Grade audi auf einen weiteren Kreis — eine blendende und verblendende Wirkung auszuüben pflegen. Gewiß mögen sich unter den weggelassenen noch einzelne vollgültige Werke von Tizian befinden. Im ganzen aber leugne ich nicht, daß mir ein großer Teil des ausgeschiedenen Materials entweder im Stil und in der Qualität Tizian so fernzustehen oder durch Verderbnis und Restaurierung so verändert zu sein scheint, daß ich es mit Bewußtsein außerhalb meiner Darstellung belasse. Die Begründung meines ablehnenden Standpunkts in jedem einzelnen Falle würde weitausholende Erörterungen erfordern, die außerhalb der Absicht dieses Buches liegen. Für einzelne Werke habe ich gemeinsam mit E. Tietze-Conrat unsere kritischen Bedenken in einem Ende 1936 erscheinenden Aufsatze im Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, N. F. X., S. i37if., vorgebracht; eine Anzahl weiterer Werke gedenken wir an anderer Stelle kritisch zu erörtern.