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Hans-Gert Schubert
Die zweite Landung
A
Wieder liegt Kuba vor mir — die Rote Insel im Atlantik, der grüne Kaiman, das Land der fünfblättrigen Blume.
Die Rote Insel wurde sie für mich, als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal ihr Gast sein konnte. Grüner Kaiman nennen die Kubaner sie, weil sie einer Echse ähnlich im blauen Golf von Mexiko liegt. Zum Land der neuen Blume macht sie das XI. Festival der Jugend und Studenten. Ich bin voll Spannung auf das Wiedersehen mit Kuba. Wird auch eine Stunde bleiben für Roberto, für Nicolás, die mir auf meiner ersten Reise ihr Land entdeckten? Für Arturo el Angel, der mit seinem Ford über die Insel flog, als sei der Leibhaftige hinter uns her? Öffnet mir der alte Martínez noch einmal die Türen seiner „Bodeguita del Medio", der Scheune in der Mitte. Wie würde diesmal die Revolucionaria reagieren, die mich damals so arg beschimpfte?
In der Altstadt von Havanna war das, im Hafenviertel. Ein Trinkwasserwagen hatte in einer der engen Straßen gehalten. Alles eilte mit allem, was Wasser halten konnte, auf die Gasse. Eimer klapperten und Kanister, Töpfe, eingebeulte Blechdosen. Hunde und Katzen strichen um die frischen Pfützen auf dem Pflaster. Lachen und Rufen, Schreien und die Hinweise des jungen Mannes, der den Strahl aus dem Tank dirigierte, vereinten sich mit der fröhlichen Unruhe der Wasserträger zu einer lebensprallen Volksszene, die mich zu meiner Kamera greifen ließ. Im gleichen Moment fast schob sich mit schneller Bewegung eine grauhaarige Companera aus einem der schattigen Hausflure und schüttete einen Schwall von offensichtlich so schlimmen, unerhörten Worten über mich aus, daß nicht nur Roberto, mein Begleiter, für einen Moment blaß wurde und das Übersetzen vergaß, sondern alle ringsum im Augenblick hellhörig aufblickten und das klare kalte Wasser plätschern ließen; und es war alles andere als eine freundliche Aufmerksamkeit.
„Du Kapitalistenknecht, du mach deine Bilder woanders, nicht hier! Die Revolution hat uns viel Gutes gebracht. Warum fotografierst du das nicht, he! Wir wissen selbst, was noch zu tun bleibt, wieviele Probleme wir noch haben, auch mit dem Wasser. Schau dir doch an, du, was für ein Erbe uns die Yankees hinterlassen haben. Unsere Altstadt war ein einziger Puff, ein Bordell Zehntausende mußten auf den Strich gehen, um leben zu können. Ja, so war das, du! Warum knipst du unsere Sorgen in deinen Kasten, he? Willst mit ihnen Dollars machen, was? Hau bloß ab, du Die Companera wetterte, kanonierte und kartätschte mich mit Worten, daß .