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E I N L E I TU N G
Der Versudi, weiteren Kreisen der Tierfreunde einen Überblick über die verschiedenen Formen des tierischen Gemein-sdiaftslebens zu ermöglichen, bedarf in unserer Zeit wohl kaum noch einer besonderen Begründung, denn der Gedanke der Gemeinschaft beschäftigt die Menschen heute in einem Maße wie kaum je vorher. Zunächst liegt es nahe, menschliche und tierische Gesellschaften mit einander zu vergleidien und sie in Parallele zu setzen. In gewisser Beziehung scheinen sie einander ähnlich zu sein. Viele höhere und niedere Tiere leben vorübergehend oder audi dauernd mit anderen zusammen. Wenn sich die Geschlechter zum Zweck der Fortpflanzung finden, so trennen sie sich zwar oft nach erfolgter Paarung gleich wieder voneinander. Viele aber bleiben wenigstens so lange beisammen, bis die Nachkommen herangewachsen sind, oder sie halten die Gemeinschaft auch später noch, und unter Umständen ihr ganzes Leben lang aufrecht. Daneben gibt es aber auch solche Tiergesellschaften, die nicht auf sexueller Grundlage beruhen, die Herden, Rudel, Schwärme oder wie man sie sonst nennen mag. Sie nehmen bisweilen einen gewaltigen Umfang an. In der Regel erwecken sie zunächst den Eindruck chaotischer, ungeordneter Massen, in denen kaum eine Gliederung zu erkennen ist. In anderen Fällen aber machen sich wenigstens die Anfänge eines geordneten Gemeinwesens bemerkbar. Vollends die Gesellschaften mancher niederen Tiere, der Hautflügler und der Termiten, sind hoch organisiert. Sie bestehen aus Gruppen morphologisch verschiedener Individuen, deren jede bestimmte Aufgaben zu erfüllen hat und die so zusammenarbeiten, daß der Bestand und das Gedeihen des Ganzen gesidiert ist. Wenn man bedenkt, daß es sich hier um ganz primitive Geschöpfe handelt, die nicht denken und die sich kaum miteinander verständigen können, so ist man wohl berechtigt, gerade in diesem Fall von einem „Wunder" der Tiergemeinschaften zu sprechen. Man vergleicht gerne diese „Tierstaaten" mit den Staaten der Menschen. Da und dort wurde schon die Frage erörtert, ob sie monarchisch oder republikanisch, demokratisch oder kommunistisch aufgebaut sind und man hat ihre Einriditungen als vorbildlich für das menschliche Gemeinschaftsleben hinzustellen versucht. Aber das zeigt nur, daß man in diesem Fall die Tiere vermenschlicht und ihr wahres Wesen verkennt. Denn mensdiliche und tierische Gesellschaften beruhen auf ganz verschiedenen psychologischen Voraussetzungen und der Unterschied zwischen ihnen ist so groß, wie der zwischen Menschen und Tieren überhaupt.
Wenn wir im Folgenden die Tiergemeinschaften so zeigen, wie sie wirklich sind, so ergeben sich damit auch gewisse allgemeine Gesichtspunkte, die für die Beurteilung der Tierseele überhaupt von Bedeutung sind. Es zeigt sich nämlich, daß das Tier zur Gemeinschaft in einem anderen Verhältnis steht als der Mensch und daß sein Verhalten nur richtig zu verstehen