Bővebb ismertető
September 1990
Erste Eintragung (Anlauf)
Seit Jahren lese ich fast ausnahmslos Bücher, die ich für meine Arbeit benötige. Ich bin der Schreibmanie in einem solchen Maß verfallen, daß ich gegen meine bessere Überzeugung die Lesezeit als Faulenzerei betrachte. Passiert es dennoch, daß ich »einfach so« lese, schaue ich dabei ständig auf die Uhr und zähle die »geschafften« Seiten. Dieser Quantitätswahn - eine Männermonstrosität, besonders in fortgeschrittenem Alter - hat mich auch beim Schreiben gepackt, ich zähle die getippten Seiten und sogar meine Gedichtzeilen. Und wenn wir schon bei Gedichten sind: Früher verging kaum ein Tag, ohne daß ich einen Gedichtband aus dem Regal nahm. Heute kommt es wochen- und monatelang vor, daß ich nur die in Zeitungen und Zeitschriften erschienenen Gedichte überfliege, besser gesagt, ich fange damit an, sehe aber meistens keinen Grund, sie zu Ende zu lesen.
Zuweilen spiele ich mit dem Gedanken, mein zielstrebiges, gefräßiges Ich zu überwinden und mich, wie früher, in das Reich der Geistesfürsten zu vertiefen. Ich nahm mir vor, Dostojewskis Romane zu lesen, »einfach so«, besonders die Dämonen, oder die Bücher, die vom sechzehnten Lebensjahr an für eine beträchtliche Zeit meiner Phantasie und meinen intellektuellen Begierden Nahrung gaben: den Doktor Fau-stus, den Zauberberg und - Herr, verzeih! - Joseph und seine Brüder. Letzteres habe ich noch nicht einmal aufgeschlagen, die anderen habe ich angefangen, aber ich kam über die ersten Freuden des Wieder-Schmeckens nicht hinaus. Echte oder erfundene Aufgaben drängten sich dazwischen, es mußte etwas geschrieben und zum Schreiben etwas gelesen werden,
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