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DIE ENTWICKLUNG DER STÄDTE
Südböhmen, das von der Natur selbst als eigenartiges und geographisch abgeschlossenes
Gebiet geschaffen wurde, welches im Süden von Grenzwäldern geschützt wird, im Nord-
westen vom Brdy-Wald umschlossen, im Osten vom Böhmisch-mährischen Höhenzug und
im Norden von den Wäldern des Sázava-Tales umgeben ist, bildete schon von Anbeginn der
böhmischen Geschichte ein individuelles Gebiet des Staates. Südböhmen tritt in die Ge-
schichte ein, bevor es noch zum Zusammenschluß der böhmischen Stämme innerhalb der
historischen Grenzen des böhmischen Staates gekommen war. Diese Landschaft, die von
Wäldern und Sümpfen durchsetzt ist und in der Urzeit nur schwach besiedelt war,
war an der Schwelle der historischen Zeit von einem oder mehreren slawischen Stämmen
bewohnt, von denen historisch nur der Stamm der Doudleben belegt ist, der wahrschein-
lich Herr über die besiedelten Teile des südböhmischen Gebietes war. Am Ende des zehn-
ten Jahrhunderts fiel dieses ganze weite Gebiet — mit Ausnahme des unbesiedelten süd-
westlichen Böhmens — in die Hände des Stammes der Slavikinger. Nach der Liquidierung
des Reiches der Slavikinger gelangt Südböhmen unter die direkte Herrschaft der Premysli-
den, die zu jener Zeit bereits das alleinherrschende Geschlecht in Böhmen waren.
Die Besiedlung Südböhmens war in dieser Zeit sicherlich noch spärlich und der waldige
südwestliche Teil war überhaupt nicht bewohnt. Die gebirgige südböhmische Landschaft
mit ihrem rauhen Klima, die von Wäldern und Sümpfen durchsetzt war, lockte die neuen
Bewohner nicht zu dauernder Ansiedlung. Insbesondere in ihrem südlichen Teil waren
keine günstigen Bedingungen für die Ansiedlung; überall bis ins Innere des Landes reichte
der mächtige, undurchdringliche Urwald der Grenzen, der von den Herrschern mit Ab-
sicht als natürlicher strategischer Schutz des Landes geschont wurde. Nur an einigen Stel-
len öffnete sich der Wald zu den »Landespforten«, durch welche seit Urzeiten, an man-
chen Orten vielleicht schon vor den Zeiten des böhmischen Reiches, die Handelswege
liefen, die sich in der Regel entlang der offenen Täler und Wasserläufe hinzogen. Einige
von ihnen werden in historischen Quellen erwähnt: der »Salzweg«, der von Österreich dem
Flußlauf der Vitava entlang nach Krumlov lief, der »Goldene Steg«, der von Passau nach
Volary und Pisek ging, der »Weitrasteg«, der über die Gegend von Novohradsko und Dou-
dleby gegen Tábor verlief, und der »Österreichische Weg«, der an der festen Burg Land-
stejn vorbeiführte. Die lebhaften Handelswege gaben zur Zeit der Morgenröte der böhmi-
schen Geschichte den Ansporn zur Entstehung der ersten, rar gesäten Siedlungen, Burgen,
Festen und Wartburgen.
Die Herrscher aus dem Geschlecht der Premysliden, die durch Unterwerfung und Ver-
einigung aller Stammesgebiete die Grundlage des böhmischen Staates schufen, beeilten sich
mit der Kolonisation der erworbenen Landstriche. Auch Südböhmen durchlief die erste
Welle planmäßiger Kolonisation. Die neuen Siedlungen wurden in der ganzen Landschaft