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Das neunzehnte Jahrhundert ist reich an überraschenden Entdeckungen von hervorragenden Werken alter Meister, und eine der seltsamsten ist jene wunderbare Auffindung eines der herrlichsten Werke der Miniaturmalerei, der «Tres riches heures» des Herzogs von Berry. Im Jahre 1855 wurde der Duc d'Aumale von einem Bekannten benachrichtigt, es wäre in Italien eine prachtvolle Handschrift zu erwerben. Der Herzog, einem uralten Geschlechte angehörend, kunstbegeistert und den edelsten Traditionen jener hohen Kultur verpflichtet, der das Abendland so viel zu verdanken hat, begab sich nach Genua, wo ihm in einem Erziehungsinstitut für junge Mädchen ein stattlicher, in rotem Leder gebundener und mit Zieraten aus dem 18. Jahrhundert versehener Band vorgelegt wurde. Der Duc d'Aumale schlug das Buch auf und wurde sich staunend bewusst, dass er es mit einem wertvollen Stundenbuch aus der Zeit des Herzogs von Berry zu tun habe. Blatt für Blatt wendete er um, ohne mit einem Wort zu verraten, welche Aufregung sich seiner bemächtigte. Er sah die Kalenderblätter mit all den traumhaften Abbildungen der herzoglichen Schlösser, von denen er einige wenige sofort erkannte, wie den Donjon vonVincennes und die uralten Stadtansichten von Paris. Er, der begeisterte Kunstliebhaber, traute seinen Augen nicht über die Pracht aufscheinender Farben und Formen, über deren Klarheit und Frische, über deren Tiefe und Reife. Er sah die zahlreichen Wappen des Herzogs von Berry und sogar sein Porträt, dessen schwerfällige, dumpfe, fast bäuerliche Gesichtszüge ihm von anderen Abbildungen her vertraut waren, und wagte es vor Ehrfurcht kaum, über die kostbaren Blätter hinweg zu atmen. Schweigend und ergriffen bewunderte und durchforschte er dieses wahrhaft überreich mit Miniaturmalereien ausgestattete Werk, schloss dann die schweren Buchdeckel und sann vor sich hin. Er war sich des Ernstes dieser Stunde wohl bewusst : Etwas Einmaliges war ihm hier begegnet, vergessenem Ruhm zu neuem Glanz zu verhelfen, würde nun sein Ruhm sein, würde seinen Namen in die erlauchte Reihe jener fügen, die der Menschheit dieses Werk schenkten, das in so glückhafter Weise
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