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ILLE EGO / QVI F VE RIM Das Selbstbildnis Von allén römischen Dichtern hat uns kein anderer eine so ausführliche Selbstdarstellung hinterlassen wie Ovid in der zehnten Elegie des vierten Buches seiner Tristien. Ausdrücklich uns, der Nachwelt, die er sozusagen d'outre tömbe anspricht: qui fuerím - der ich gewesen bin. Schon vor Ovid gehörte es zum literarischen Stil der Zeit, daB der Dichter am Anfang, haufiger noch am Ende seines Werkes sich nannte und Daten seines Lebens, Heimat, Herkunft und Stand, bekanntgab. So habén es Vergil und Properz gehalten. Oder daB er Selbstbiographisches da und dort in seine Gedichte einflocht wie Horaz. In diesen konventionellen Rahmen will das Bildnis, das Ovid von sich entwirft, nicht recht passen, und dies nicht nur wegen seiner Ausführlichkeit. Mag das Urteil eines alteren Philologen, es sei eine geschickt versifizierte, aber durchaus unpoetische Biographie, auf sich beruhen. Ovid ging es bei der Niederschrift dieser Verse weder um die Fortsetzung einer literarischen Tradition, er bediente sich nur deren Form, noch um die Frage: poetisch oder unpoetisch? Und auch uns interessieren die Verse aus anderen als poetischen Gründen. Es gibt in Ovids Werk genug Stellen, die den höchsten Anforderungen an Dichtung genügen, hier aber, in dieser Elegie, suchen und erwarten wir anderes als reine Poesie. Die Form, alsó der Anspruch, Gedicht zu sein, entschuldigt der 26. Vers beilaufig von selbst: