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HISTORISCHER RÜCKBLICK
Das Studium der biologischen Wirkungen ionisierender Strahlungen setzte ungefähr zur Zeit der Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Radioaktivität ein. Röntgenstrahlen gebrauchte man von Anfang an zur Durchleuchtung von Körperteilen und zur Herstellung von Röntgenaufnahmen. Die Forscher durchleuchteten anfangs die eigene Hand, um das Durchdringungsvermögen der Strahlen zu demonstrieren oder zu kontrollieren. Nach einer gewissen Zeit stellten sie fest, daß eigenartige Veränderungen an den der Röntgenstrahlung wiederholt ausgesetzten Hautbezirken in Erscheinung traten. Auf der Haut entstand ein Erythem, das später einer Pigmentation wich. An den bestrahlten Hautregionen kam es häufig zu Haarausfall, später wurde die Haut trocken und empfindlich, die Nägel wurden rissig.
Die biologische Wirksamkeit der neuartigen Strahlen ergab sich auch aus einer zufälligen Beobachtung, die Becqtjerel an sich selbst machte. Einige Tage lang trug er ein kleines Radiumpräparat in der Westentasche, und nach geraumer Zeit entwickelte sich an der Stelle unter dem Präparat eine Entzündung der Haut, die einer Hautreaktion nach Insolation glich und sehr langsam heilte. Bereits 1902 berichtete Feieben von Hautkrebs, der unter Strahlenwirkung zustande gekommen war.
Für die erste Periode der Strahlenbiologie waren morphologische Beobachtungen und Forschungsarbeiten charakteristisch. Man beschäftigte sich hauptsächlich mit den an der Körperoberfläche deutlich sichtbaren und beschreibbaren makroskopischen Veränderungen. Auf die Strahlenläsionen der tiefer im Körper gelegenen Gewebe wurde die Aufmerksamkeit 1903 durch die grundlegende Entdeckung von Albers-Schönbeeg gelenkt, der festgestellt hatte, daß bei männlichen Kaninchen und Meerschweinchen die Spermatogenese unter der Wirkung von Röntgenstrahlen zum Stillstand kam. Beovs^n und Osgood, Bbickner sowie Philipp bestätigten dies alsbald auch am Menschen, nachdem sie eine radiogene Azoospermie beobachtet hatten. In diesen Fällen hatte die Röntgenstrahlung keine auffallenden Veränderungen an der Körperoberfläche hervorgerufen, sondern — in die Tiefe dringend — das Keimgewebe schwer geschädigt. Wie dies beweist, sind die verschiedenen Gewebe und Zellen des Organismus nicht in gleichem Maße strahlenempfindlich. Hierfür spricht auch, daß die interstitiellen Hodenzellen eine wesentlich größere Strahlenresistenz zeigen als das spermiogene Gewebe. Später wurde die Strahlenwirkung auf die Hoden von vielen Forschern
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