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Júlia Deutschmann machte sich an jenem Morgen hübsch, weil sie glaubte, daB man einer hübschen Frau eher ein Ge-heimnis verrát als einer verhármten. Viel hatte sie nicht zu tun; sie war schön, auch wenn um ihre iibernáchtigen, műdén Augen Schatten lagen und ihre Lippen blaB waren. Au-genbrauen nachziehen, eine Spur Rouge auf die Lippen, etwas Púder, hundert Bürstenstriche über das lockige, schwarze Haar, das sie offen, ohne Spangen und ohne Kamm, trug. Das schlichte Kostüm war betont auf ihre Figur geschnitten, die hochhackigen Pumps waren auf die Farbe des Stoffes abgestimmt. Als sie hineinschlüpfte, erinnerte sie sich daran, daB es Ernst war, der sie aus-gesucht hatte. Einen Augenblick verharrte sie reglos, die Erinnerung huschte wie ein Lichtschein über ihr Gesicht und verlosch.
Sie richtete sich auf und warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel.
Dann ging sie.
Der Posten vor dem Oberkommando der Wehrmacht, Berlin, BendlerstraBe, las das kurze Schreiben, das sie ihm hinreichte, lange und aufmerksam, als stünden dort nicht nur drei armselige Zeilen - eine unpersönliche Vorladung, beim General von Frankenstein vorzusprechen.
Im Hauptflur des groBen Gebáudekomplexes traf sie einen Adjutanten, einen jungen Leutnant, der bei ihrem An-blick sehr zackig, mit knallenden Absátzen, grüBte und sich bereitwillig erbot, sie ins zweite Stockwerk zu führen. Vor der groBen Eichentür am Ende des Flurs verhielten sie den Schritt: ein Tor, das in eine andere Welt zu führen schien.