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FRANK SCHNEIDER
Schönbergs Denken über Musik
Sieben Paraphrasen zu „Stil und Gedanke" I
Im Jahre 1950, wenige Monate vor Schönbergs Tod, erschien in der New-Yorker Philosophical Library ein Sammelband mit Aufsätzen des Komponisten unter dem Titel „Style and Idea". Als Herausgeberin zeichnete eine seiner amerikanischen Schülerinnen, Dika Newlin, die in engem Kontakt mit dem ehemaligen Lehrer einige unentbehrliche praktische Vorbereitungen für dieses Buch in die Hand genommen hatte. Sie übersetzte insbesondere die älteren Texte aus der Zeit vor Schönbergs Emigration und redigierte die neueren, die von ihm selbst in recht eigenwilligem Englisch formuliert worden waren.^ Die Konzeption des Bandes jedoch bestimmte zweifellos er ganz allein, denn kein anderer konnte damals schon den enormen Umfang des meist noch ungedruckten schriftlichen Materials überblicken oder gar entscheiden, was als Extrakt eines etwa vierzigjährigen Denkens über Musik^zu gelten habe. Auf nichts Geringeres indessen kam es Schönberg wohl an: er wollte so vielseitig wie möglich und so konzentriert wie nötig gerade diesen für ihn grundlegenden Bereich seiner schöpferischen Lebensarbeit noch selbst zusammenfassend dokumentieren. Daher enthält die Sammlung fünfzehn programmatische Texte sehr unterschiedlicher Thematik, Bestimmung und Länge aus einem weit gespannten Zeitraum der Entstehung in annähernd chronologischer Reihenfolge.
Es mag sein, daß Schönberg die Auswahl vorrangig unter Aspekten der gefächerten Mannigfaltigkeit und fortschreitenden Entwicklung seiner musiktheoretischen Interessen traf. Aber kaum weniger Gewicht legte er bei dieser späten, erstmals übergreifenden Präsentation von Resultaten auf deutliche Einsicht in ihren inneren Zusammenhang und ihr gemeinsames geistiges Fundament. So verbindet die Texte ein „Cantus firmus" leitender Motiv"^der, wie bei kunstvol-