Bővebb ismertető
Planungs-Beteiligte
Schaukelpferd zwischen Lohnarbeit und Kapital
Bauherr:
Land Baden-Württemberg vertreten durch
Staatliches Hochbauamt Mannheim Projektleitung:
Staatliches Hochbauamt Mannheim Amtsvorstand Gerhard Glockner Klaus Hornung, Manfred Erhardt Heinz Baumann, Dieter Leimroth Marianne Pellnat
Objektplanung:
Prof. Ingeborg Kuhler, Berlin/Mannheim, Freie Architektin BDA
Objektüberwachung/Terminplanung: Schmitt, Kasimir u. Partner, Karlsruhe, Freie Architekten BDA, Oberbauleiter Fritz Kutschera
Freianlagenplanung:
Jürgen D. Zilling, Berlin/Mannheim,
Planung der Museumseinrichtungen: Heinz Micheel, Köln/Mannheim, Architekt BDA mit Erhard Christiani, Rolf Gorgels, Rainer Rutow, Architekten
Tragwerk-Ingenieur: Ingenieurbüro für Bauwesen, Prof. Polonyi u. Fink, Berlin mit Büro Kordes u. Partner, Mannheim
Bauphysik:
Dr.-Ing. Rainer Oswald, Aachen
Herausgeber: Stahl-Informations-Zentrum Postfach 1611,4000 Düsseldorf 1 Redaktion: Institut für internationale Architektur-Dokumentation, München Zeichnungen nach Unterlagen der Architektin, des Tragwerk-Ingenieurs und der Stahlbau-Firmen Photos: Bechtel, Mannheim (Rohbau), Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim (Ansichten S. 6/7), Ivan Nemec, Frankfurt (übrige) © 1991 Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH, München
An die von Rhein und Neckar eingeschnürte Rasterstadt Mannheim lehnen sich im Westen Hafenbecken, im Norden Krankenhäuser und im Süden Straßenschlaufen und Eisenbahnen, so daß für die großen Bau-Aufgaben nur der Südosten bleibt in Richtung Heidelberg, der die bürgerlichen Tempel wie Nationaltheater, Rosengarten und Kunsthalle aufnimmt und in dem weitläufigen Friedrichsplatz beginnt. Der wilhelminische Wasserturm in gelbem Sandstein in seiner Mitte hat sich als Wahrzeichen durchgesetzt, an seiner Leine in der Fortsetzung durch die platanenbestandene Augustaanlage liegt das Landesmuseum für Technik und Arbeit. Dort hat als Architekt eine Frau ein Heim für Technik und Arbeit geplant und durchgesetzt, nur steht es einen Platz weiter in Richtung Heidelberg am Friedensplatz, das letzte städtische Hindernis, bevor man auf das Gaspedal treten kann. Nach dem Platz taucht man ein in ein für die Rheinschiene typisches Stadtumfeld aus Hochspannungsleitungen, Eisenbahnen, von ihr aus erschlossenen Fabriken, Kraftwerken und Autobahnen samt ihren Kreuzen, das die Landschaft, die ihm zugrunde lag, in Restflächen verwandelt. Diese freundlicherweise als Industrielandschaft bezeichnete und vom Bürgermeister gefeierte Gegend hat die Architektin im Gebäude eingefangen und als Silhouette über das Rampensystem, mit dem sie das ganze Museum erschließt, erfahrbar gemacht. Die Wirklichkeit ist nicht ausgeschlossen und die Ausstellungsstücke nicht in einem klimatisierten Raumkontinuum versteckt, sondern sie bildet eine nächste Haut, an die man überall erinnert wird, um das Tote innen in das Lebendige außen hineindenken zu können.
Mit jedem eben entschalten Bauwerk beschäftigt sich sofort die Phantasie der Betroffenen: sei es, daß sie in ihm arbeiten müssen oder daß seine neue verdrängende Existenz erst verkraftet wird, wenn für den Störenfried, den Fremdkörper, den man hat wachsen sehen, ein zärtlicher Name gefunden ist. Der kleine Mann und seine Frau brauchen die Zerkleinerung und den Vergleich mit schon Bekanntem, um sich zurechtzufinden. Im Falle des »Landesmuseums für Technik und Arbeit« ging es angesichts des riesigen Solitärs auf den ehemaligen Maifestwiesen los mit dem Bild des Weißen Dampfers und,.weil er auch noch schräg ist, mit dem Namen eines bestimmten, der Titanic, die für die Hypertrophie des Technikglaubens steht und die feiernde Gesellschaft zwischen Europa und Amerika ins eisige Wasser entließ. Ein anderer Schnellschreiber zwischen Rhein und Ruhr sieht in seinem Geiste eine abgebrochene Banane. Ein dritter sieht in dem Haus mit dem Beiboot des Studio Mannheim des Süddeutschen Rundfunks einen Tempel der Arbeit, und sieht sie als nicht Darstellbare einge-schreint in den antiken Tempel selbst, der marmorn-weiß und unnahbar vor uns steht und unbeweglich in die Ferne weist - der Tempel hier verstanden als der reine Ausdruck des geschichtlich gewonnenen abstrakten Denkens und als eine der Voraussetzungen für die Warenproduktion. Auch dieses Bild scheint wenig glücklich, obwohl es gegenüber der abgebrochenen Banane ein Mehr an Erkenntnis enthält.
Die erste Würdigung aus einem deutschen Feuilleton wird jedoch genauer und präzisiert das Bild des Dampfers zum Eisbrecher, »der durch die Topographie des ausfransenden Mannheimer Stadtrandes pflügt«. Damit ist die Richtung bestimmt, in der das Gebäude sich innerlich bewegt, auch wenn es stillsteht und dem Gesetz »Summe aller Kräfte gleich Null« unterliegt. Das Museum kommt vom Land, das seine Zentrale in Stuttgart hat, und versucht in den Stadtrand von Mannheim, in das Bewußtsein der Mannheimer einzubrechen. Für wen macht es die Bahn frei, ist es ein Trojanisches Pferd, das mit seinem Inhalt über den das strahlende Weiß hinwegtäuscht, das die bundesrepublikanische Wirklichkeit in Frage stellt? Keine Angst, die Arbeit ist nachgestellt.