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I. NATURWISSENSCHAFT UND LINGUISTIK
Die Irrmeinung von der Beziehungslosigkeit zwischen Sprache und Denken
Jeder normale Mensch in der Welt, der seine ersten Kinderjahre hinter sidi hat, kann spredien und tut es. Dank dieser Tatsache hat jeder, ob zivilisiert oder unzivilisiert, sein Leben lang gewisse naive, aber tief eingewurzelte Auffassungen vom Sprechen und von seinem Verhältnis zum Denken. Diese Vorstellungen pflegen wegen ihrer festen Verbindung mit Sprachgewohnheiten, die unbewußt und automatisch geworden sind, gegen alle Einwände sehr intolerant zu sein. Sie sind keineswegs etwa völlig subjektiv und zufällig; ihre Grundlage ist eindeutig systematisch. Wir sind daher berechtigt, sie als ein System der natürlichen Logik zu bezeichnen — ein Terminus, der mir besser erscheint, als der Begriff des
, den man oft für die gleiche Sache verwendet.
Für die natürliche Logik ist jeder, der seit seiner Kindheit sprechen kann, seine eigene Autorität hinsichtlich des Prozesses, mit dem er seine Gedanken formuliert und weitergibt. Er hat lediglich ein allgemeines Substrat der Logik oder Vernunft zu befragen, von dem angenommen wird, daß er und jeder andere es besitzen. Die natürliche Logik sagt uns, das Sprechen sei nur ein beiläufiger Vorgang, der ausschließlich mit der Weitergabe, aber nichts mit der Formulierung von Gedanken zu tun habe. Im Sprechen oder beim Gebrauch der Sprache wird angeblich nur , was im wesentlichen bereits unsprachlich formuliert war. Die Formulierung ist ein unabhängiger Vorgang, genannt Denken, der von der Natur der einzelnen Sprachen weitgehend unbeeinflußt sein soll. Sprachen haben Grammatiken, die als bloße Normen konventioneller und gesellschaftlicher Korrektheit angesehen werden. Der Gebrauch einer Sprache wird nicht so sehr von ihnen als vielmehr durch richtiges, vernünftiges oder intelligentes Denken geleitet.
Das Denken hängt nach dieser Ansicht nicht von der Grammatik ab, sondern von Gesetzen der Logik oder Vernunft, die für alle Beobachter des Universums die gleichen sind und etwas Rationales im Universum repräsentieren, das von allen intelligenten Beobachtern wer-
An dieser Stelle sei Herrn Dozent Dr. Günther Neumann, Göttingen, aufridi-tig gedankt für seine fachmännische Durchsicht der Übersetzung und viele nützliche Hinweise und Verbesserungsvorschläge, die ich gern und mit Gewinn für die Sache verwertet habe. Meine Verantwortung für alle Fehler oder Mängel dieser Ausgabe und Übersetzung erfährt hierdurch jedodi natürlidi keinerlei Einschränkung. — PK.