1. Einleitung1.1 Die Ausgangslage: Kriseder sozialpädagogischen BerufsethikLange Zeit war alles klar und überschaubar: Die ethische Bewertung von Meinungen und Handlungen war ein Thema, das herkömmlicherweise in der Philosophie bearbeitet wurde. Moral bzw. Sittlichkeit und Ethik bezeichneten eine Grundrichtung des Philosophierens seit seinen Anfangen bei den Griechen. Doch nach der Moralkritik in Nietzsches Philosophie sowie in der Psychoanalyse Freuds und Lacans ist die philosophische Tradition im Hinblick auf die Möglichkeit einer...
1. Einleitung1.1 Die Ausgangslage: Kriseder sozialpädagogischen BerufsethikLange Zeit war alles klar und überschaubar: Die ethische Bewertung von Meinungen und Handlungen war ein Thema, das herkömmlicherweise in der Philosophie bearbeitet wurde. Moral bzw. Sittlichkeit und Ethik bezeichneten eine Grundrichtung des Philosophierens seit seinen Anfangen bei den Griechen. Doch nach der Moralkritik in Nietzsches Philosophie sowie in der Psychoanalyse Freuds und Lacans ist die philosophische Tradition im Hinblick auf die Möglichkeit einer universellen Ethik - auf dem Hintergrund einer philosophischen Weltanschauung - grundsätzlich fragwürdig geworden. Die heutige Philosophie bemüht sich um Ethik ohne Metaphysik '. Besonders innerhalb der anglo-amerikanischen, zunehmend aber auch in der deutschen Ethiktheorie entwickeln sich verstärkt relativistische Positionen, die sich damit abfinden, dass wir uns aufgrund voriäufi-ger moralischer Orientierungen verhalten müssen. Es scheinen uns nur ethische Prinzipien mittlerer Reichweite zur Verfügung zu stehen. Außerdem hat die Metaethik aufgezeigt, welch komplexes Konstrukt an Handlungsfolgen und Verantwortungsteilung durch Mitverursachung in die ethische Beurteilung einbezogen werden muss. Das bedeutet: Eine einfache Beurteilung auf den ersten Blick kann es hinsichtlich der moralischen Qualität von Handlungen kaum noch geben; eine problemorientierte ethische Analyse muss vielmehr mit großen Informations- und Erkenntnisanteilen operieren. Allein von der Philosophie ein ethisches Konzept für einen konkreten Bereich beruflichen Handelns (wie etwa die Sozialpädagogik) zu erwarten, ist heute nicht mehr vorstellbar. Nur in einem interdisziplinären Herangehen ist solch eine Aufgabe heute zu lösen^.Der These allerdings, dass die Philosophie überhaupt am Ende sei, hielt Emst Bloch (in den 70er Jahren) entgegen, dass es noch nie eine philosophischere Epoche gegeben habe als die gegenwärtige - zwar nicht, was die Antworten, wohl aber was die Fragen betreffe. Ähnliches lässt sich auch1Patzig, G.: Ethik ohne Metaphysik. Göttingen 19712Vgl. Edelstein, W./Nunner-Winkler, G. (Hrsg.): Zur Bestimmung der Moral. Philosophische und sozialwissenschaftliche Beiträge zur Moralforschung. Frankfurt/M. 1986 Edelstein, W./Nunner-Winkler, G./Noam, G. (Hrsg.): Moral und Person. Frankfurt/M. 1993Wils, J.-P. (Hrsg.): Anthropologie und Ethik. Biologische, Sozialwissenschaftliche und Philosophische Überlegungen. Tübingen 1997
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