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Einleitung S. Kierkegaard ist einer der bedeutendsten religiösen Den-ker und Philosophen des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart. Sein Einflufi auf die zeitgenössischen Dichter und Denker ist bekannt. Es wird angenommen, dafi sowohl Björnson als auch Ibsen und Hebbel ohne den grófién danischen Psychologen gar nicht denkbar sind. Pastor Helweg spricht in seiner Schrift über Ibsens Brand" die Vermutung aus, Kierkegaard habe als Vorbild für den Helden dieses Dramas gedient. In den Werken Selma Lagerlöfs, Jens Peter Jacobsens, sowie in Jákob Wassermanns Der Mann von vierzig Jahren" und in Thomas Manns Der Tod in Venedig" werden die von Kierkegaard aufgestellten Probleme weiter ausgearbeitet. Das Interesse für das philosophisch-religiöse Denken Kierkegaards ist bei den bedeutendsten Philosophen und Theologen der Gegenwart, bei Heidegger, Jaspers, bei Kari Barth und seiner Schule und anderen Gelehrten aufierordentlich grófi. Nach Martin Bubers Meinung gab es im 19. Jahrhundert zwei wahrhaft grofie Manner: Kierkegaard und Dostojewskij. Heute beginnt sich Kierkegaards Einflufi auch in Frankreich bemerkbar zu maciién. Seine Werke erscheinen dort in Übersetzung und in der Zeitschrift Revue Philosophique" brachte Prof. Jean Wahl, der als der beste Kenner Hegels in Frankreich gilt, im Hegel-Jubiláumsheft einen umfassenden Aufsatz unter dem Titel Hegel und Kierkegaard". Diese Gegenüberstellung Hegel-Kierkegaard" birgt einen tiefen Sinn. Man hatte entweder-oder" sagen können, d. h. entweder Hegel oder Kierkegaard. Das Auftreten Kierkegaards, das mit der Blüte der Hegelschen Philosophie in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zusammenfiel, bedeutet nichts geringeres als eine Herausforderung der Philosophie des deutschen Idealismus: an die Stelle der Philosophie des Idealismus wird das gerückt, was Kierkegaard existentielle Philosophie" nennt, d. h. nicht eine Philosophie des abstrakten Denkens, sondern eine Philosophie des menschlichen Seins. Es war so, dafi Kierkegaard Hegel nicht nur hafite, nein - er verachtete ihn sogar! Hegel!", schrieb er, man gestatte mir, hellenisch zu denken: welches