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Vorbemerkung
»Ich las im Jahre 1945 das Buch Arthur Koestlers >Darkness at Noon<. Ein Offizier der US-Army hatte es mir geliehen. Alles Verleumdung, gemeine raffinierte Lügen von Renegaten - das war mein Urteil. Bis im Jahre 1956 der XX. Parteitag der KPdSU kam. Unter den Stößen dieses Erdbebens brach das Bauwerk meines Glaubens zusammen.« Robert Havemann, Rückantworten an die Hauptverwaltung »Ewige Wahrheiten«
Arthur Koestler, 1905 in Budapest geboren, zählt unbestritten zu den letzten noch lebenden intellektuellen Repräsentanten einer Ära, in der, wie vielleicht nie zuvor und nie mehr danach in der Geschichte, der Glaube an die politische und gesellschaftliche Verwirklichung aller großen Menschheitsideale im Zuge einer sozialistischen Revolution die eigentliche Grundtendenz war und, so scheint es jedenfalls, bis heute geblieben ist. Koestler, dem gegen Ende der Weimarer Republik der Kommunismus als einzige politische und ideologische Alternative zum erstarkenden Nationalsozialismus in Deutschland, ja zum Faschismus überhaupt erschien, trat 1931 der Kommunistischen Partei bei. Doch schon 1932 und 1933, auf seinen Reisen durch die Sowjetunion, wurde sein Vertrauen in die Partei schwer erschüttert. Während der berüchtigten Moskauer Prozesse Ende der dreißiger Jahre steigerte sich seine Enttäuschung über das Sowjetsystem in einem solchen Maße, daß der endgültige Bruch mit der Partei und der kommunistischen Ideologie nur noch eine Frage von kurzer Zeit war. Tatsächlich verließ Koestler noch 1938 die Reihen der KP. Damals entstand sein wohl bester und politisch überzeugendster Roman Darkness at Noon, der zuerst 1940 in englischer Sprache erschien und 1946 unter dem Titel Sonnenfinsternis auch auf deutsch herauskam. Heute ist dieser Roman in mehr als dreißig Sprachen verbreitet.
Von Koestler als künstlerisch »gestaltete geschichtliche Wirklichkeit«, als »stilisierte Version tatsächlicher Ereignisse« konzipiert, ist Sonnenfinsternis i/er Roman über die Moskauer Prozesse, wenn das Buch auch von der politischen, physischen Realität, die zur Zeit der Handlung für den einzelnen galt, noch übertroffen