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ERIKA BURKART Das rote Moor
Ein Sonntagnachmittag im Juli 45. Die gerade Straße gibt es noch, weil sie sie nötig haben, um ihre Maschinen ins Feld zu fahren. Ich will aber heute nicht die gerade Straße gehen, ich will niemandem begegnen, der mich kennt oder zu kennen glaubt.
Außer ein paar Buben, die weggelaufen sind von ihren Eltern-die obligate Sonntagsroute führt durch den Wald-, ist im Moor draußen niemand zu sehen. Die Knaben bemühen sich, einen dieser gußeisernen Wagen, die bis vor kurzem zum Transport von Torfmull benützt wurden, anzustoßen. Das Feld befindet sich im Umbruch, noch gibt es hier einige Pflanzen. Eine Krüppelföhre ist stehen geblieben.
Die trapezförmigen Wandungen der alten Lore bilden einen Trichter. Von den Rädern sieht man nichts, da Schilf den vergessenen Rollwagen eingewachsen hat. Der rostzerfressene Wagen hat die Farbe seiner Umgebung angenommen; Mimikry; er gleicht einem Tier, das aus dem moorigen Sumpf hervor- oder in diesen zurückkriecht. Die Knaben schreien auf; der Wagen rollt, erst langsam,, dann schnell und schneller. Kommt einer dieser Lurche erst einmal in Fahrt, ist er nicht mehr aufzuhalten. Durch die fahlroten, wie mit Asche bestäubten Dolden des Wasserdosts spähen die Knaben dem davonschießenden Wagen nach, der über das Stumpengeleise hinausläuft und umkippt. In weiten Sprüngen, Schilf und Dost schlagen um ihre Köpfe, machen die Buben sich davon. In der Hoffnung, niemandem zu begegnen, gehe ich zögernd weiter. Heute möchte ich wieder einmal die Hecke besuchen, doch nicht auf der geraden Straße, da kommt einem stets einer in die Quere. Hinter Mosers Hütte will ich den Schilfpfad nehmen und schauen gehn, ob im Roten Moor schon das Heidekraut blüht. Eigentlich weiß ich genau, daß vor Mitte August nicht viel zu erwarten ist. Vielleicht finde ich noch einige Irisblüten.
Mosers Hütte ist erreicht, der Schilfpfad aber ist mit abgeholztem Gebüsch verstopft, ich drücke mich daran vorbei und ziehe