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ZUM GELEIT
Das Gesicht und das Gewicht der Liebe, aber auch das Gericht, das sie für dich selber bedeutet, musst du kennen, o gelehrige Schülerin und eifriger Schüler, wenn du dich auf dieses ebenso reizvolle wie gefährliche Gebiet begibst. Auch du, trefflicher Don Juan oder gewiegter und gewitzter Frauenkenner — der du aber oft nur die Epidermis der Frauen samt ein paar Gemeinplätzen über sie kennst — tust gut daran, einmal ein bisschen darüber nachzudenken, was du eigentlich erlebt hast, wo du gesiegt und wo du's versiebt hast. Und du, leichtsinnige Fliege oder leidenschaftserfahrene Frauenseele, kannst nun einmal ohne Schaden dich umschauen, wie dein Liebesweg eigentlich aussieht — ob er dich aufwärts oder abwärts führte, und ob du das fandest, was du — zu Recht oder Unrecht — von deinem Gefährten in der Liebe ersehntest.
Ihr aber, liebende Mädchen und Jünglinge, die ihr eure Liebe zum schönen, lebendurchleuchtenden Fest zu gestalten innig wünscht, merkt auf, damit durch innere fromme Achtsamkeit und liebevolles kluges Tun der hütende Becher des köstlichen Trunkes nicht zerbricht und er verschüttet und vergeudet wird oder allzubald schon euch schal erscheint.
Und ihr alle endlich, die ihr, beglückt oder seufzend, in der Ehe steht und es schwer findet, auch die Liebe darin immer frisch zu erhalten — ihr auch könnt und sollt mit Nutzen nachdenken über das Wesen, die Gesetze, die Freudenquellen und die Gefahren eurer Liebe — und aller Liebe. Denn sie ist die schönste, aber auch die schicksalsvollste Gabe, die das Leben zu verschenken hat.
DIOTIMA