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Vorwort
Friedrich Schiller (1759-1805) zählt zu den großen klassischen Autoren der deutschen Literatur. Die Forschung hat gerade in den letzten Jahren mit neuen Publikationen wichtige Perspektiven auf Schiller eröffnet, der neben Goethe als Exponent der Weimarer Klassik gilt. Gleichwohl müssen wir uns fragen, ob Schillers Forderung, der Dichter solle «Zeitgenosse aller Epochen» sein, auch heute noch für ihn selbst gilt. Ist nicht die Bedeutung von Literatur für das Selbstverständnis einer Nation in Zeiten der massenmedialen Kommunikation deutlich zurückgegangen? Und werden selbst von Liebhabern der Literatur heute noch Autoren wie Schiller und Goethe, Hölderlin und Kleist so gelesen wie zu ihren Zeiten und bis ins 20. Jahrhundert hinein?
Schillers Aktualität ist demnach keine fraglose Selbstverständlichkeit, zumal Klischees der Rezepdonsgeschichte (vgl. Arbeitsbereich VII) das Bild des Autors zu einem großen Teil bestimmen: Von weltfremdem Idealismus, einem Hang zum rigiden Moralisieren, von apolitischem Klassizismus und von einer Neigung zur wohlklingenden Leerformel sprechen die gebildeten unter den Verächtern Schillers, und sie stehen damit in einer langen Tradition.
Dieses Arbeitsbuch will dazu einladen und anleiten, die Texte Schillers - ohne tradierte Klischees - neu zu verstehen. Dabei geht es von der Prämisse aus, dass Schillers Bedeutung für unsere Zeit in einem ersten Schritt nur dadurch veranschaulicht werden kann, dass er im Kontext seiner eigenen Epoche und an ihren Begriffsbildungen hervortritt. Schillers Frühzeit ist von der Aufklärung besdmmt, jener europäischen Bewegung, die in der kritischen Selbstreflexion der Subjektivität die Grundlage allen Denkens und Handelns erblickte. Dass Aufklärung nicht notwendig zu Emanzipation und Freiheit führte, sondern auch neue Abhängigkeit und Unfreiheit bringen, ja durchaus totalitär sein konnte, war als Erfahrung schon des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts ein Grundimpuls von Schillers Schaffen. Als Spätaufklärer wandte er sich einer kritischen Selbstreflexion der Grundlagen aufklärerischen Denkens zu. Die Frage nach der menschlichen Freiheit wurde ihm dabei zu einem zentralen Problem. Diese Freiheit war ihm keineswegs Prämisse eines weltfremden Idealismus, er artikulierte vielmehr das Bedürfnis des Menschen nach Freiheit und zeigte die Aporien des problematischen Strebens nach Freiheit in seinen Dichtungen und ästhetischen Abhandlungen. Schauplatz dieser Suche nach Freiheit ist die Geschichte, und so ist es kein Zufall, dass Schiller sich mit der Historie be-