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Der kleine Nachtwächter und die Luftballons
An einem Sommerabend, an dem die Luft so warm war wie ein Federbett, ging der kleine Nachtwächter mit seiner Laterne durch den schlafenden Ort. Alles schien wie immer zu sein. Doch als er an das Haus kam, in dem das Luftballonmädchen wohnt, sah er, daß die vielen bunten Luftballons draußen an einen Baum angebunden waren.
»So ein Leichtsinn!« brummte der kleine Nachtwächter. »Wenn es Regen gibt, werden sie naß.« Und er beschloß, die Luftballons ins Haus zu tragen.
Aber weil er sie alle auf einmal losband, geschah etwas Merkwürdiges: Die Ballons hoben den kleinen Nachtwächter sachte vom Boden weg und stiegen mit ihm in die Luft. »Oh!« rief der kleine Nachtwächter. »Halt!«
Doch da schwebte er auch schon mindestens drei Meter über der Erde. Immer höher trieben die Luftballons, und es dauerte nicht lange, da schwebte der kleine Nachtwächter über den Dächern der Häuser. Zuerst hatte er natürlich ein bißchen Angst, aber dann machte es ihm Spaß, so dahinzusegeln und die Welt aus der Höhe betrachten zu können. Von oben sah alles sehr klein aus - die Bäume, die Gartenzäune und die Katzen, die über die Dächer spazierten. »Schön' guten Abend«, rief der kleine Nachtwächter, und er winkte dem Mond, dem er nun näher war als je zuvor. Aber als der kleine Nachtwächter eine Weile dahingeschwebt war, wollte er gerne wieder auf die Erde zurück. Doch so sehr er auch zappelte und strampelte - er blieb in der Luft. Da wurde er traurig, und er weinte so viele Tränen, daß die Blumen glaubten, es regne. Als endlich die Morgendämmerung kam, wachten die Leute auf. Sie wuschen sich den Hals und die Ohren, und dann gingen sie hinaus, um nach dem Wetter zu sehen.
»O große Not!« rief die Blumenfrau. »Der kleine Nachtwächter fliegt am Himmel umher!« Da blickten die Leute erschrocken zum Himmel, und es lief ihnen eiskalt den Rücken hinunter.