Bővebb ismertető
EINLEITUNGDer Drang, Geschehenes vor dem Vergessen zu bewahren, ist dem Menschen von jeher eigen. Bilder, Felsinschriften, Verzeichnisse der Herrscher und Tempelchroniken waren die ersten Formen, historische Daten festzuhalten. Doch bald genügte die Aufzeichnung bloßer Fakten nicht mehr. Der Versuch der Chronisten, zu zuverlässigeren Aussagen über die Vergangenheit zu kommen, ließ die Geschichte als einen Ablauf erscheinen. Diesen Geschichtsablauf kritisch zu bewerten und für die Gegenwart aufzubereiten wurde zum Anliegen der Geschichtsschreibung. Zugleich mit diesem Willen zur Wertung, die - bewußt oder unbewußt immer von einer bestimmten ideologischen Position ausging, entwickelte sich ein weiterer wesentlicher Aspekt der Historiographie: die Darstellung der Tradition, in die sich eine Gesellschaft gestellt sehen wollte. Für die Antike bedeutete dies, die Geschichtsschreibung ausschließlich in den Dienst der Herrschenden zu stellen, eines Helden, einer Dynastie oder einer bevorrechteten gesellschaftlichen Schicht. Dies gilt für die Heldenlieder der ausgehenden Urgemeinschaft, die geschichtliche Erinnerungen noch weithin mit der Mythologie verquicken, ebenso wie für die Tontafelwerke altorientalischer Reiche mit ihren ruhmredigen Tatsachenberichten oder für die im Athen der klassischen Zeit entstandene griechische Geschichtsschreibung, die im Werk des Thukydides zu wissenschaftlichen Prinzipien vordrang, dabei aber mit Selbstverständlichkeit die athenische Sklavenhalterdemokratie pries, die herrschende Ordnung ihrer Zeit.Auch die römische Historiographie unterstand diesem Gesetz, aber ihre Entwicklung verlief in charakteristischer Weise anders als bei den meisten Völkern Europas und des Alten Orients, denn die Römer besaßen in der Frühzeit keine eigne zu dichterischer Ausprägung gelangte Mythologie. Zwar durchdrang auch bei ihnen die Verehrung der Stammesgötter das gesamte Leben des einzelnen wie des Staates, aber diese Götter waren - ganz anders als die der Griechen nicht so weit vermenschlicht, daß sie