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Mit vielen bedeutenden Künstlern teilt Richard Wagner das Schicksal, daß er zu Lebzeiten leidenschaftlich umkämpft wurde. Die Kritik der Zeitgenossen reichte von glühender, überschwenghcher Verehrung bis zu bedingungsloser, haßerfüllter Ablehnung von Mensch und Werk. Daß aber auch die Anschauungen der Nachwelt weit auseinandergehen, daß die Kämpfe selbst 80 Jahre nach seinem Tode noch nicht abgeebbt sind, gibt dem „Fall Wagner" besonderes Gewicht. Zwar wird heute Wagners künstlerische Gestaltungskraft nicht mehr geleugnet, aber in der Bewertung der Werke Wagners und seines Weltbildes gibt es noch recht unterschiedliche Auffassungen. Viele hervorragende Musiker und Schriftsteller haben in kritischen Abhandlungen versucht, sich mit dieser vielseitigen Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Zu ihnen gehörten Männer von so unterschied-hcher Art wie Friedrich Nietzsche, Thomas Mann, Romain Rolland, Bernard Shaw, von den Musikern Hans Pfitzner und Ferruccio Bu-soni. Verständlicherweise ringt erst recht unsere Gegenwart um die Gewinnung eines gültigen Wagnerbildes.
JUGENDZEIT IN DRESDEN UND LEIPZIG „Leubald" und „Die Hochzeit"
Das Jahr 1813, in dem Richard Wagner am 22. Mai im Hause Nr. 3 am Leipziger Brühl geboren wurde, war ein unruhiges und kriegerisches Jahr für ganz Europa. Zum letzten Mal versuchte Napoleon, nachdem er die Niederlage im eisigen russischen Winter hatte hinnehmen müssen, wenigstens Deutschland und Österreich niederzuhalten. Mit wechselndem Glück kämpften er und seine Generäle mehrmals im sächsisch-thüringischen Gebiet.
Wenige Monate nach Wagners Geburt und nach seiner Taufe auf die Vornamen Wilhelm Richard in der Thomaskirche hallte'auch die nächste Umgebung Leipzigs wider vom Donner der Geschütze. Als eins der vielen Opfer der durch die Verwundeten der Völkerschlacht in die überfüllte Stadt eingeschleppten Typhusepidemie starb Richard Wagners Vater, der Polizei-Aktuarius Karl Friedrich Wilhelm Wagner. Zurück blieben die neununddreißigjährige Witwe Johanna Rosine und acht unmündige Kinder, deren ältestes vierzehn Jahre zählte. Selbstlos ließ der beste Freund des Verstorbenen, der Schauspieler und Maler Ludwig Geyer, der Witwe und den Kindern seine Hilfe angedeihen. Im August 1814 ging er mit Frau Johanna