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Das Licht der Welt, das Richárd Wagner, neuntes Kind der Ehegatten Johanna Rosine und Carl Friedrich Wagner, am 22. Mai 1813 auf dem Leipziger Brühl erblickte, war gezeichnet vom Feuerschein des Krieges. Im verbündeten Sachsen sammelte Napoleon seine aus dem RuBlandfeldzug verbliebenen, in Frankreich neu formierten Truppén zum entscheidenden Schlag gegen PreuBen. Die Alliierten traten ihm zunáchst glücklos entgegen. Ein Waffenstillstand gab allén Seiten Gelegenheit, ihre Kráfte zu plazieren und den Nachschub zu sichern. Die schlecht versorgten Franzosen plünderten und drangsalierten die sáchsische Bevölkerung. Indessen wagte Johanna Rosine Wagner, wahrscheinlich mit ihrem Sáugling, eine Reise nach Teplitz, um wie die alljáhrlich dort versammelte Gesellschaft - zu der auch Goethe gehörte - wenig beeinfluBt von den Kriegswirren Erholung zu suchen. Sie traf dort Freunde, die der Secondaschen Schauspieltruppe angehörten. Nach Leipzig zurückgekehrt, wurde ihr jüngster Sohn in der Thomaskirche auf die Namen Wilhelm Richárd getauft. Der Krieg brach erneut los, um in der Leipziger Yölkerschlacht ein furchtbares Ende zu nehmen. HaB und Zorn der Sachsen auf die Franzosen waren betráchtlich, die sáchsischen Truppén hatten ihren rheinbundtreuen und ohnehin nach Prag retirierten König im Stich gelassen und sich den Alliierten angeschlossen, weite Landstriche lagen verwüstet und ausgeraubt. Früh genug wird sich das unerschöpfliche Gespráchsthema der französischen Fremdherrschaft dem jungen Wagner mitgeteilt und ihm Gelegenheit gegeben habén, ein Ressentiment zu begründen. Wenige Wochen nach der Schlacht muBte auch die Familie Wagner ein Opfer des Krieges beklagen: Uberanstrengt von seinen Pflichten im besetzten und verwüsteten Leipzig wurde der Polizeiaktuarius Wagner von einer Typhusepidemie erfaBt und starb, als sein jüngster Sohn Richárd gerade sechs Monate alt war. Johanna Rosine Wagner annoncierte in der Leipziger Zeitung: Als ein Opfer seines Berufes starb am 23. November, im 44. Jahre, mein Gatte, Carl Friedrich Wagner, erster Actuarius im Königlichen Polizeyamte, viel zu früh für mich und meine acht unerzogenen Kinder. Was er gegolten hat, als Mensch, als Freund, das hat mir jetzt die überaus zarte Sorgfalt seiner Freunde für mein und meiner Kinder Wohl besonders bewiesen, mir aber auch die GröBe meines Verlustes umso fühlbarer gemacht." Unter Friedrich Wagners Vorfahren sind Lehrer, Kantorén und Steuereinnehmer bekannt; er selbst war Jurist. Das Geschick seiner Familie bestimmte er über seinen Tod hinaus durch seine Passión für die Schauspielkunst. Selbst Laiendarsteller, pflegte er freundschaftlichen Umgang mit den Mitgliedern der Secondaschen Truppé, die wáhrend ihrer Spielzeit in Leipzig alljáhrlich sein Haus belebten. E.T.A. Hoffmann, eben zum Musikdirektor dieser Gesellschaft ernannt, traf Friedrich Wagner 1813 im Leipziger Stammlokal der Schauspieler und notierte in seinem Tagebuch: Abends in der Grünen Linde Actuarius Wagner, ein exotischer Mensch, der Opitz, Iffland pp. copirt und zwar mit Geist - er scheint der besseren Schule anzuhángen, un poco exaltato durch den GenuB von vielen Rummes." Wáhrend Friedrich Wagner im Theater weilte, beim Weine saB oder einer bekannten Schauspielerin seine Bewunderung nachtrug, leistete háufig sein vertrauter Freund und Logisgast Ludwig Geyer Johanna Rosine Wagner und den Kindern Gesellschaft. Geyer, der sich bei diesen Gelegenheiten um das Portrát der Gastgeberin bemühte, gehörte der Secondaschen Truppé an; die ihn kannten, schilderten ihn als einen vielseitig begabten, gütigen Menschen. Ein Jurastudium hatte er aus Mittellosigkeit aufgegeben und sich, ermutigt durch seinen Freund Wagner, der Bühne zugewandt. So beliebt er als Schauspieler war, so erfolgreich und begehrt war er auch als Portrátmaler. Auch in der Dichtkunst versagten ihm die Musen ihre Gunst nicht. Sein Lustspiel Der Bethlehemitische Kindermord" wurde nach seinem Tode sehr bekannt und selbst von Goethe gelobt. Gelegentlich verpflichtete man den Schauspieler wegen seiner schönen Stimme auch für Gesangsrollen. Nach dem frühen Tode Carl Friedrich Wagners nahm sich Geyer dessen hinterbliebener Familie an. Er heiratete am 28. August 1814 Johanna Rosine Wagner und führte sie mit den Kindern nach Dresden, wo er ein Engagement am Hoftheater erhalten hatte. Ein Trauerjahr nicht wie üblich abzuwarten, mahnte