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Grundsätzliche Vorbemerkungen und pädagogische Anweisungen
auch der Sinn für Rhythmus, ein wesentliches Kriterium für Musikalität, durch Erbanlage begründet ist, so ist doch andrerseits eine Bildsamkeit durch eine planmäßige erzieherische Einwirkung erwiesen. In vielen Fällen des Versagens im Musikalisch-Rhythmischen ist die Ursache nicht ein Fehlen des rhythmischen Sinnes, sondern eine falsche oder mangelnde Grundschulung.
Die vorliegende Arbeit, die nicht etwa den Anspruch erhebt, ein Lehrbuch der Rhythmik und Metrik zu sein, ist aus jahrelanger Praxis an der Staatlichen Hochschule für Musik zu Leipzig erwachsen und will, unter Vermeidung alles dem Musikstudierenden überflüssigen Wissenschaftlichen, unmittelbar der Praxis dienen. Sie ist in gleichem Maße gedacht für den Musiklehrenden wie für den Musiklemenden, dem durch dieses Buch in Zusammenarbeit mit Kameraden auf dem Gebiet einer so wichtigen, leider aber auch heute noch oft vernachlässigten rhythmischen Erziehung Gelegenheit zum Selbststudium gegeben werden soll.
Im Gegensatz zur Methode Jaques-Dalcroze wird empfohlen, das Metrische (Metrik als die Lehre von den Tonschweren), den Taktablauf, das ständig Wiederkehrende durch Fußbewegungen, das Rhythmische (Rhythmik als die Lehre von den Tonlängen), die Einzelwerte, das ständig Wechselnde durch Handbewegungen (Klatschen, Klopfen) ausführen zu lassen.
Eine moderne Ausbildung des Klangbewußtseins verlangt Betonung des aktiven, des produktiven Hörens. Entsprechend des in jedem Kapitel Erarbeiteten sind Rhythmen zu erfinden, zu improvisieren, sind gegebene Melodien zu rhythmisieren, rhythmisch zu variieren.
Für das Musikdiktat gilt grundsätzlich das Ganzheitsprinzip: Es soll nicht eher geschrieben werden, bis das Beispiel im ganzen erarbeitet ist. Um ein gedächtnismäßiges Erfassen zu ermöglichen, wurden die meisten Beispiele als Zweitakter gegeben, wurden die Beispiele entweder in einfachster Tonleiterbewegung oder — bei melodischer Gestaltung — über den Funktionen Dominante-Tonika (Funktionswechsel mit dem Taktstrich) gebildet. Äußerst wertvoll und ein rhythmisches Gedächtnis fördernd ist es, den Rhythmus bekannter Musik (vom einfachsten Liedrhythmus bis etwa zum Rhythmus des langsamen Satzes einer Bach- oder Beethovensonate) auswendig zu schreiben. Ohne zu einer Anwendung der Taktsprache, die der Gehörbildungsmethode der französischen ZifFeristen Galin-Paris-Cheve entstammt und die durch Agnes Hundoegger in eine deutsche To-Do-Lehre übernommen wurde, verpflichten zu wollen, sind in den ersten Kapiteln die Bezeichnungen in Taktsprache beigefügt worden.
PAUL SCHENK