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Die Prognose des Benedikt Kautsky
Ein Jahr nach dem 20. Parteitag der KPdSU formuherte Benedikt Kautsky, ein Vordenker der österreichischen Sozialdemokratie und Sohn des Marxismus-Ideologen Karl Kautsky, eine Prognose der Entwicklung des Kommunismus. Die Entwicklung führte drei Jahrzehnte später zum Zusammenbruch der Diktaturen im europäischen Sowjet-Imperium und zum Verzicht der Kommunistischen Partei der Sowjetunion auf ihren Absolutismus: »Trotz aller Reformversuche kann die kommunistische Diktatur ihrem Schicksal ebensowenig entgehen wie der französische Absolutismus des 18. Jahrhunderts oder der Zarismus. Ebenso wie diese Herrschaftsformen hat die sowjetrussische Diktatur die gesellschaftlichen Kräfte ins Leben gerufen, die sie beseitigen werden. Oder, um es marxistisch auszudrücken, sie hat ihre eigenen Totengräber erzeugt.
Wenn die Kommunisten die Marxisten sind, als die sie sich ausgeben, so müßten sie die Unentrinnbarkeit ihres Schicksales einsehen.«
Benedikt Kautskys Prognose ist im Jahr 1989 allerorts beweiskräftig geworden.
Im April 1989 setzt in der DDR die erste Welle von Demonstrationen für Freiheit des Reisens in den Westen ein. In Polen wird die »Solidarnosc« öffenthch zugelassen, Regierung und Opposition einigen sich auf erste wirtschaftliche und politische Reformansätze. In Ungarn wird das KP-Politbüro umbesetzt. Die Reformer setzen den Abbau des Eisernen Vorhangs gegen Österreich durch. Das sollte in kurzer Zeit die DDR-Völkerwanderung nach Westen auslösen.
Am 5. April 1989 verkündet der sowjetische Staats- und Parteichef Mikhail Gorbatschow im fernen Kuba ein Credo, das die Untertanen des grimmig lauschenden Diktators Fidel Castro sich nicht einmal erträumen konnten, das die Revolutionäre in Osteuropa aber sehr rasch sehr wörtlich nehmen werden.
In einer Rede vor der Nationalversammlung, dem Marionettenparlament Castros, erklärt Gorbatschow: