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BEETHOVEN:
STREICHQUINTETT OP. 4
In der Wiener Zeitung vom 8. Februar 1797 ist als soeben erschienen angezeigt: Grand Quintetto perdue Violini, dueViole, e Violoncello del Sgr. Luigi van Beethoven. Opera IV. In Vienna presso ArtariaS Comp. (Verlagsnummer 627). Während man in den letzten fünfzig Jahren dem jüngeren Bruder dieses dem bei Di-
lettanten besonders beliebten op. 29, häufiger im Konzertsaal begegnet ist, ist darin op. 4 kaum einmal anzutreffen gewesen; auch die Hausmusikanten, die, Gott sei Dank, noch immer nicht ganz ausgestorben sind, wollen dieses op. 4 in der Regel nicht spielen und begründen dies damit, es sei ja nur eine Bearbeitung des 1834 aus Beethovens Nachlaß mit der irre führenden Opuszahl 103 veröffentlichten Bläser-Oktetts, dessen Entstehungszeit sicherlich noch in Beethovens Bonner Aufenthalt fällt.
Dieses Vorurteil scheint nicht auszurotten zu sein. Dabei habe ich schon im I.Jahrgang 1901/2 der bekanntlich nicht für Musikgelehrte, sondern für den groj^en Kreis der Musikfreunde bestimmten Zeitschrift Die Musik (S. 1097 f.) den Nachweis geführt, (la[5 dieses Streichquintett keineswegs bloß eine reine Übertragung des Bläseroktetts ist, sondern eine völlige Umarbeitung und Erweiterung, bei der die ursprünglichen zweiten Ttiemen durch neue ersetzt worden sind. Zu meiner Untersuchung, in der ich auch die sehr verschiedenen Taktzahlen beider Werke angegeben habe, war ich durch
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die Anmerkung von Hermann Deiters im 1. Bande der 2. Auflage seiner Bearbeitung von A. W. Thayers Beethovens Leben S. 288 (erschienen 1901) angeregt worden, worin es heißt: „Bei Betrachtung des üktetts muß man sich von der Erinnerung an das Quintett op. 4, dessen Urgestalt es ist, ganz frei machen. Letzteres ist nicht nur ein Arrangement, sondern eine ganz neue, mehrfach erweiterte Bearbeitung." Ich habe auch darauf hingewiesen, daß Beethoven offenbar gewußt hat, daß Mozart ein Bläseroktett(KöchelNr388) zu einem Streichquintett umgewandelt hat, ohne freilich dabei thematische Veränderungen und Erweiterungen vorzunehmen, was auch Beethoven vermieden hat, als er 1817 aus seinem Klaviertrio op. 1 Nr 3 das Streichquintelt op. 104 schuf.
Deiters bzw. sein Forlsetzer Hugo R i e m a n n hat mir im 2. Bande des angeführten Beethoven-Buchs (1910) S. 33 völlig beigepflichtet und dann noch folgende Ausführungen gemacht: „Oberflächliche Einsicht zeigt ja allerdings, daß die Motive in op. 4 dieselben sind wie die in op. 103; aufmerksame Ver-gleichung erweist aber, daß das Quintett unter Benutzung jener Motive ein ganz neues Werk ist. Nicht nur sind die Streichinstrumente ihrer Klangnatur und Leistungsfähigkeit nach in ihr Recht getreten, was Veränderungen der Tonlage, Umgestaltungen der Motive u. a. zur Folge hat; die Struktur hat eingreifende Ab-