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Vorwort:
»O SEELE, BEGEHRTE ICH NICHT UNSTERBLICHKEIT«
1) Psychoanalyse und Moraltheologie oder: die zwei Seiten des Menschen
»Priester, du willst die Seele erkennen. Willst Gesundes vom Kranken trennen. Irrt dein Sinn oder lügt dein Mund? Was ist krank?! Was ist gesund?!
Richter, eh du den Stab gebrochen. Hat keine Stimme in dir gesprochen: Ist das Gute denn nicht schlecht? Ist das Unrecht denn nicht Recht?
Keiner ahnet, was er verbricht.
Keiner die Schuld und keiner die Pflicht.
Darfst du leben, wenn jeder Schritt
Tausend fremde Leben zertritt.
Wenn du nicht denken kannst, nichts erspüren.
Ohne zu lügen, zu verführen!
Mensch!
Verlornes Licht im Raum, Traum in einem tollen Traum, Losgerissen und doch gekettet. Vielleicht verdammt, vielleicht gerettet. Vielleicht des Wehenwillens Ziel, Vielleicht der Weltenlaune Spiel, Vielleicht unvergänglich, vielleicht ein Spott, Vielleicht ein Tier, vielleicht ein Gott.«'
' Hugo von Hofmannsthal, Sünde des Lebens (1891), in: Ges. Werke in Einzelausgaben, hrsg. V. H. Steiner. Gedichte und lyrische Dramen (Stockholm 1946) Frankfurt 1970, 481-486.