Bővebb ismertető
Vorwort
»Und ein alter Priester sprach: >Rede uns über die Religion!« Und er antwortete also: Hab' ich denn am heutigen Tag von irgendetwas anderem geredet? Ist Religion nicht eine jegliche Tat und Betrachtung? Und ist sie nicht gleichzeitig weder Tat noch Betrachtung, sondern ein Wunder und ein Erstaunen, das dauernd aus der Seele quillt, selbst derweil die Hände den Stein behauen oder den Webstuhl besorgen? Wer vermöchte sein Vertrauen zu trennen von seinen Taten, oder seinen Glauben von seinen Beschäftigungen? Wer vermag seine Stunden vor sich auszubreiten und sprechen: >Dies ist für Gott und das für mich; dies für meine Seele und das für meinen Leib?< All eure Stunden sind Flügel, die sich durch den Weltraum bewegen, vom Ich zum Ich. Wer seine Frömmigkeit nur als bestes Gewand trägt, täte besser daran, nackt zu bleiben Und wer seinen Lebenswandel gemäß der Sittenlehre begrenzt, kerkert seinen Singvogel in einen Käfig. Das schönste Lied der Freiheit dringt nicht durch Gitter und Stacheldraht. Und wem der Gottesdienst ein Fenster ist, das man öffnet, aber auch schließt, der ist noch nicht eingekehrt in das Haus seiner Seele, dessen Fenster offen stehen, von einem Morgenrot zum andren. Euer täglich Leben ist euer Tempel und eure Religion Und gewähret allen Mitmenschen Einlaß: Denn in der Verehrung könnt ihr nicht höher fliegen als ihr Hoffen und nicht tiefer sinken als ihre Hoffnungslosigkeit. Und so ihr Gott erkennen möchtet, werdet nicht darob zum Rätsellöser. Blicket lieber um euch, und ihr werdet Ihn erschauen, wie Er mit euren Kindern spielt. Und blicket in den Weltraum; und ihr werdet Ihn in den Wolken wandeln sehen, wie Er seine Arme recket im Blitze und herabwallet im Regen. Ihr werdet Ihn erschauen, wie Er lächelt in den Blumen und dann emporsteigt und mit Seinen Händen winkt in den Bäumen.«
Mit diesen Worten des libanesischen Dichters und Philosophen Kahlil Gibran (Der Prophet, 57-58) läßt sich wohl am besten wiedergeben, wovon in diesen Abhandlungen eigentlich die Rede ist. Immer noch gilt im kirchlichen Bewußtsein die Vorstellung, daß es etwas Grundverschiedenes sei, mit einem Menschen zu reden und zu Gott zu beten, die Wahrheit seiner eigenen Seele zu entdecken und zu Gott hinzufinden, in der Nähe eines geliebten Menschen glücklich zu sein und sich bei Gott geborgen zu wissen. In Wahrheit ist alles, was das Herz des Menschen glücklich macht und weit, ein Dienst vor Gott und ein Geschenk von Gott, und nur wenn man aus lauter Angst trennt, was verbunden ist, wird sogar aus der Religion etwas Gezwungenes und Aufgell