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Vorwort
»Ich wurde zum zweiten Male geboren, als meine Seele und mein Körper einander liebten und sich vermählten.«
(Kahlil Gibran: Sand und Schaum, 8)
Allem Anschein nach sind es drei verkehrte Weichenstellungen, durch welche die Entwicklung des Christentums im Abendland je länger, desto unentrinnbarer in eine gefährliche Sackgasse gedrängt wird und in Konsequenz ihres eigenen Ansatzes die Grundlagen der Religiosität ebenso wie der Humanität zu untergraben droht. Diese drei Fehleinstellungen, die schon in den Anfängen des Christentums gnindgelegt wurden, ergeben sich
1. aus der Fremdheit der christlichen Theologie gegenüber dem Unbewußten der menschlichen Psyche;
2. aus der Verstandeseinseitigkeit der abendländischen Religiösität und
3. aus der Verselbständigung der christlichen Morallehre gegenüber der Glaubenslehre.
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Alle drei Punkte kristallisieren sich in der gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskussion methodisch in dem Konflikt zwischen Tiefenpsychologie und Theologie. An der Überwindung dieses Konfliktes muß daher vorrangig gearbeitet werden, indem man Wege sucht und erstellt, auf denen sich die unheilvolle Zerrissenheit im Sprechen von Gott und im Sprechen vom Menschen, die Kluft zwischen Verstand und Gefühl und der Dualismus von Wollen und Sollen in Theorie und Praxis nach und nach überbrücken läßt.
Die nachstehenden Untersuchungen, so verschieden ihre Fragestellungen auch sind und so unterschiedlich ihr Entstehungsanlaß im einzelnen sein mag, sind ausschließlich dieser Aufgabe gewidmet. Allesamt bilden sie nur verschiedene Formen eines einheitlichen Plädoyers für ein Daseinsverständnis, in dem Theologie und (Tiefen-)Psychologie in der Begründung und in der Erfahrung eines gemeinsamen Vertrauens gegenüber der Angst des menschlichen Daseins sich miteinander verbinden und zur Überwindung der seelischen Zerrissenheit des Menschen in der praktischen Ausübung ihrer selbst, in Seelsorge wie