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Auguste Rodin - »Impressionistische Plastik«
Das Gesamtbild des skulpturalen Schaffens im 19. Jahrhundert erscheint weit homogener und akzentloser als das der Maierei. Wáhrend die Maierei des französischen Impressionismus als revolutionáre kiinstlerische Tat sich be-wufk gegen vorausgegangene, starke malerische Tendenzen auflehnen oder aber auch an verwandte Bestrebungen künstlerischer Sehweise zu Beginn des Jahrhunderts anschlieften kann, entsteht die grundlegende, geniale Tat Auguste Rodins aus einem völlig neuen Beginnen.
Wenn überhaupt ein tragendes Prinzip durch die im Gesamten unsichere Haltung der Plastik des 19. Jahrhunderts zu verfolgen ist, so ist es das Vor-bild der Skulptur der Antiké, vor allém der spáteren Stilstufen der griechi-schen Kunst. Es ist leicht einzusehen, warum die Kunst der Antiké in der Plastik spürbarer nachwirken konnte als in der Maierei: sie erschien dem gláubigen Interesse, das der Klassizismus um 1800 erneut heraufbeschworen hatte, doch fast ausschliefölich in der Form plastischer Verwirklichung als greifbares Vorbild. (Von der Architektur wird in dieser Betrachtung abge-sehen.) Aber die kiinstlerische Kraft des vorigen Jahrhunderts vermochte in der Plastik dieses verpflichtende Vorbild auf die Dauer noch weniger mit neuem, eigenem Leben zu erfüllen, als in der Maierei. Kiinstlerische Tendenzen grundlegender Erneuerung gegenüber der VerauBerlichung klassischer Form fehlen in der Skulptur, jedenfalls bis zu der Zeit, mit der die folgenden Betrachtungen beginnen sollen. Alléin Ankliinge des Realistischen werden wirksam. Aber auch sie immer nur bis zu einem gewissen Grade, gleichsam die leere Übernahme klassizistischer Vorstellungen ergánzend und dadurch deren autonome Formenstrenge lösend. Oft führte dieser Eklektizismus zu einem hohlen, pseudobarocken Pathos (Siegesdenkmal, Freiburg i. Br.). Rilke hat diese Haltung in seinen Rodin-Betrachtungen schon 1917 klar for-muliert: »Die Plastik, die betrieben wurde, war immer noch die der Modelle, der Posen und der Allegorien, das leichte, biliige und gemáchliche Metier, das mit der mehr oder weniger geschickten Wiederholung von einigen sank-tionierten Gebarden auskam.«
Rodins Kunst ist vom Klassizismus ebenso weit entfernt wie vom üblichen Naturalismus dieser Zeit (obwohl beide Formprinzipien ihre Bedeutung für