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EINLEITUNG
In der nordöstlichsten Ecke Afrikas liegt Ägypten, das Vaterland der ältesten Zivilisation der Welt. Vor drei-, vier-, ja fünftausend Jahren, als in Mitteleuropa die mit rohen Fellen bekleideten Barbaren sich noch in Höhlen verbargen, blühten in Ägypten schon eine hohe soziale Organisation, Landwirtschaft, Handwerk und Literatur. Vor allem aber führte man dort bereits riesige technische Bauten aus und errichtete mächtige Bauwerke, deren Überreste bei den neuzeitlichen Technikern Bewunderung erregen.
Ägypten ist ein fruchtbarer Hohlweg zwischen der Libyschen und der Arabischen Wüste. Er liegt einige hundert Meter tief eingebettet; seine Länge beträgt einhundertdreißig Meilen und die durchschnittliche Breite knapp eine Meile. Die Wände dieses Korridors, in dessen Tiefe der Nil strömt, werden von Westen her durch die sanften, doch kahlen libyschen Höhen gebildet, auf der Ostseite durch die fast senkrecht abfallenden und zerklüfteten arabischen Felsen.
Längs des Flußlaufs nach Norden senken sich die Hänge des Hohlweges, und erst fünfundzwanzig Meilen vom Mittelmeer entfernt treten sie plötzlich auseinander, so daß der Nil, statt in einem engen Korridor zu fließen, sich in vielen Armen in Dreiecksform über die breite Ebene ergießt.
Zu diesem Dreieck — dem Nildelta — bildet das Ufer des Mittelmeeres die Basis, die Spitze aber, am Austritt des Flusses aus dem Hohlweg, die Stadt Kairo sowie die Trümmer der uralten Hauptstadt Memphis.
Würde man aus zwanzig Meilen Höhe auf Ägypten niederschauen, so überblickte man die seltsame Form des Landes und die eigentümlichen Schattierungen seiner Farben. Ägypten erschiene einem auf dem Grunde des weißen und orangefarbenen Sandes wie eine Schlange, die in energischen Win-