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Paul Merkers »Unverständnis« für den Hitler-Stalin-Pakt. Gespräche mit dem »Sowjetfeind«
Paul Merker trat erstmals 1950 in mein Denken. Wann daraus ein Nachdenken über ihn wurde, vermag ich nicht exakt zu bestimmen. Fest steht, daß es bis heute andauert. Als junger Lehrer im Erzgebirgsdorf Bermsgrün, das nach 1945 von der Tradition zehrte, bei den Wahlen in der Weimarer Zeit stets die absolute Mehrheit für die KPD erzielt zu haben und wo noch bis zur Wandlung der SED zur Partei neuen Typus eine Art proletarischer Solidargemeinschaft herrschte, die mich faszinierte und wesentlich dazu beitrug, Kandidat der SED zu werden, las ich den Namen Paul Merker in der »Erklärung des Zentralkomitees und der Zentralen Parteikontrollkomission (ZPKK) zu den Verbindungen ehemaliger deutscher politischer Emigranten zu dem Leiter des Unitarian Service Committee, Noel H. Field«, veröffentlicht am 1. September 1950 im »Neuen Deutschland«.
Damals hätte ich nicht zu denken gewagt, daß dieser Paul Merker, der als Mitglied des Politbüros der KPD und später der SED, wie es hieß, »dem Klassenfeind in umfangreicher Weise Hilfe« leistete, der »kein Vertrauen zur Sowjetunion« und »kein Verständnis für den Abschluß des deutsch-sowjetischen Paktes 1939« besaß, der »in der Tat die Befehle der amerikanischen Imperialisten« ausführte und folglich aus der SED ausgeschlossen wurde, mir in seinen letzten Lebensjahren sehr nahe stehen und meine Frau und ich, neben uns Jacob Walcher, im Jahre 1969 zu der kleinen Schar derjenigen gehören würden, die ihn auf seinem letzten Weg begleitete.
Ich lernte Merker am 10. November 1965 im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (IML) kennen, im früheren Haus der Einheit, wo er einst als Mitglied des Politbüros residierte und wo ihm am 23. August 1950 Herta Geffke als Leiterin einer