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Sandra Kegel Vorwort
„Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben", schrieb Ernest Hemingway 1950 an einen Freund, „dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben." Heute weiß ich, wie recht Hemingway hatte. Denn so oft ich auch nach Paris reise, meinen Aufenthalt als Studentin dort habe ich nie vergessen, und es überfiel mich eine geradezu kindliche Freude, als vor einiger Zeit die neue ICE 3-Strecke von Paris nach Frankfurt am Main, wo ich lebe, eröffnet wurde. „Wieder ein Stückchen näher", dachte ich.
Freilich musste ich während meiner Monate in der faszinierenden Metropole nicht darben wie einst Hemingway. Ich verdiente während eines Praktikums gerade genügend Geld, um mir in den berühmten Cafés und Kneipen von Saint-German-des-Prés, Lipp, Flore und Deux Magots, die überteuerten Petit Fours leisten zu können. Dafür wohnte ich für Pariser Verhältnisse preiswert im „Palais de la Femme", einem alten Backsteinkasten im IL Arrondissement, in dem seit 1926 die Armée du Salut junge Mädchen vornehmlich aus der französischen Provinz beherbergt: spartanische Zimmer, Sammelduschen und keine Herrenbesuche - so lautet dort bis heute die Devise. Nicht ohne Stolz verweist die Heilsarmee darauf, dass dort, wo jetzt die große Bibliothek des „Palais de la Femme" steht, seit 1655 der Dichter Cyrano de Bergerac begra-