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PAPIERLIEBE
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Als ich noch in Pirna lebte, las ich die Bücher meines Vaters: Götter, Gräber und Gelehrte; Buddenbrooks; Sigrid Undset; Schliemann; Silberkondor über Feuerland - aber leider auch: Zarenlegende (das hat mich lange Zeit sehr beeindruckt, da ich nie erfahren konnte, ob der Einsiedler Feodor Kusmitsch nun wirklich der in Taganrog angeblich ermordete Zar gewesen war); Binding; Die Heilige und ihr Narr. Ich las John Steinbeck, Eça de Queiroz; Joseph Conrad; Ein Leben in Leidenschaft. Auch Françoise Sagan.
Eines Sonntags, nachdem ich mich mit allen mir zu Gebote stehenden Ausreden dem obligatorischen Familienausflug entzogen hatte, frühstückte ich allein a la Bonjour Tristesse: schwarzer Kaffee und der Saft einer ausgepreßten Orange. Danach saß ich auf der Steinstufe am Eingang des Sechsfamilienhauses, in dem wir wohnten, und blickte wehmütig und illusionslos auf einen sächsischen Bleichplan; nur eine Katze und ein schwarzer Rollkragenpullover fehlten mir noch zu meinem Existenzialistinnendasein.
Und ich las: Vom Winde verweht; D. H. Lawrence - Auf verbotenen Wegen; Der Baron auf den Bäumen; Modelle, Masken, Menschen; Anne Morrow Lindbergh; Waggerl und anderes. Sicher würden mir noch Namen und auch Titel einfallen, doch es wäre ermüdend und uninteressant, sie alle aufzuzählen. Aber wenn man das obengenannte Durcheinander als Grundprägung für literarischen Geschmack ansehen will, so hätte daraus alles werden können: auch das Schlimmste.
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