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ABGANG
Sie lauscht dem Ton nach. Es ist genau das, was sie am Tod am meisten fürchtet - dieses dumpfe Prasseln der Erde auf den Sarg. Sie bückt sich und nimmt noch eine Handvoll.
Dann tritt Ursula zurück. Da liegt er also. Das ist alles, was von ihrem Mann übriggeblieben ist. Ein schwarzer Sargdek-kel, darunter eine leblose Hülle. Wo ist seine starke Persönlichkeit hin, sein Wille, seine Durchsetzungskraft?
Ludwig ist der nächste vor dem gähnenden Loch. Er beugt den Kopf, bleibt minutenlang regungslos stehen. Ursula beobachtet ihn durch das schwarze Augennetz ihres kleinen Hütchens und denkt dabei wieder an die Empfindung, die sie gehabt hat, als sie in der Leichenhalle vor dem offenen Sarg stand. Das da drin hat mit ihrem Walter nichts mehr zu tun. Das, was ihn ausgemacht hatte, war weg. Darüber konnte man den Sargdeckel getrost schließen.
Ludwig hat sich zu ihr umgedreht, kommt langsam auf sie zu, reicht ihr die Hand: »Es tut mir so leid, Ursula. Er war ein so außergewöhnlich starker Mensch. Daß er so früh gehen mußte «, zum Zeichen seiner Freundschaft legt er seine linke Hand auf ihre behandschuhte Rechte, »wenn ich dir irgendwie helfen kann - du weißt, ich bin immer für dich da!«
»Danke, Ludwig«, Ursula nickt ihm zu. Ludwig Fehr war Walters bester Freund und gleichzeitig sein Hausarzt. Die beiden Männer waren gleichaltrig, beide 55 Jahre, und sogar im selben Monat geboren. November. Skorpione durch und durch. Im November war Walter gekommen, und im November mußte er wieder gehen.
Eine schier endlose Menschenschlange zieht an ihr vorbei.