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Als im Jahre 1906 Carducci der Nobelpreis zugesprochen wurde, griff der Figaro mit voller Absicht auf den Aufsatz zurück, mit dem Pierre de Nolhac 15 Jahre zuvor den Dichter der »Barbarischen Oden« in Frankreich eingeführt hatte: »Carducci ist für uns Franzosen nicht nur ein edelrassiger Dichter, wir sehen in ihm auch einen mit unserer Literatur und Geschichte vertrauten und von ihnen nachhaltig beeinflußten Freund, der offenen Herzens und aufrechten Geistes das Werk des Friedens und der Aufklärung würdigt, für das Frankreich in der Welt eintritt. Er kennt und liebt unser Land so, wie man wünschte, daß auch viele Franzosen Italien liebten und verstünden. Unserem Volk einen solchen Dichter nahezubringen, bedeutet, etwas zur Erreichung dieses Zieles beizutragen.«
Damals stand man noch ganz unter dem Zauber der neuen Erkenntnis, daß Reisen bilde. Die Schwärmerei für das Land jenseits der Alpen stand in hoher Blüte. Es war die Zeit eines Hippolyte Taine und Jacob Burckhardt, eine für den Reiz von Museen und die genaue Erläuterung von Kunstwerken empfängliche Epoche, die sich dem Wahlspruch des »Cicerone« verschrieben hatte: »Dies ist das den Göttern heilige Italien.« Zur seelischen und beruflichen Bildung der europäischen Künstler und Schriftsteller gehörte ein Aufenthalt in Rom. Alles träumte von der »Italienischen Reise«. Und tatsächlich war es auch der deutsche Hüter des Goetheschen Erbes, der in seinem Lande die Verdienste Carducéis als einer modernen Inkarnation der glorreichen Vergangenheit besonders zur Geltung brachte. Er hieß Karl Hillebrand, und er machte sich auch durch seine noble Vermittlerrolle zwischen den beiden durch den Rhein getrennten Kulturen einen Namen. Er war es, der diesen so profilierten und eigenwilligen Kandidaten in seinem Land bekannt machte. Theodor Mommsen und Paul Heyse, seine Gefährten in den Annalen des Nobelpreises, übernahmen die Übersetzung seiner Werke. Und in Schweden fand er auch unter den dortigen Italien-Schwärmern Freunde und Übersetzer. Val di Castello, sein Geburtsort, die Toscana,