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VorwortAllmähliche Veränderungen sind schwer wahrnehmban Doch plötzlich kann ein scheinbar unbedeutendes, alltäghches Ereignis dem Beobachter als Signal dienen, das auf tiefgehende gesellschaftliche Veränderungen verweist.Etwa ein Abendessen bei einem wohlhabenden, mittelalterlichen Paar, Opinionleaders mit gutdotierten Jobs in einem Massenmedium bzw. in der PoHtik. Die Wohnung ist mit einer ansprechenden Mischung aus Biedermeier und Avantgarde möbliert, Bilder hängen bis zur Zimmerdecke (Wir investieren nicht in Aktien, sondern in Kunst), der Hausherr unterhält einen kleinen, aber wohlsortierten Weinkeller, was - neben der Frage, ob er eine jaguar-Limousine erwerben solle - Anlass zur Diskussion über den passenden Wein gibt. Das als Hauptspeise servierte Lamm stammt von einem jener legendären Bio-Bauern, die einmal in der Woche mit dem Kleinlaster in der Hauptstadt auftauchen und mit ihrer Ware einen erlesenen Kundenkreis beglücken, als Nachtisch wird eine aufwendig hergestellte Tarte aux pommes gereicht; alles wie immer, bis dann die Eiscreme auf den Tisch kommt: eine Eigenmarke, clever von billa/rewe. Kein schlechtes Wort über Eigenmarken, kein schlechtes Wort über clever, doch diese Eiscreme sprengte durch ihre bloße Präsenz das traditionelle Ensemble aus Gemälden, Lamm und Biedermeier in die Luft.In der Tiefkühltruhe jedes Supermarktes liegen etwa sechs zum Nachtisch geeignete Sorten Speiseeis. Wer clever kauft, gibt damit ein deutliches, bewusstes Statement in Richtung billig, und dieser Gediegenheit kultivierende Haushalt war bisher -bisher! - nicht der Ort, wo man solches erwartete. Hier hat offensichtlich ein Bruch im Konsumverhalten stattgefunden, der